ungeahnte
Anwendungsmöglichkeiten?
ACHTUNG! Die neue und wesentlich kürzere Version befindet sich hier
1 Worum geht es hier?
Die Eigenschaften von physikalischen, chemischen, biologischen und anderen Systemen schwanken chaotisch. Dies wird unter Umständen erst ersichtlich, wenn man die Empfindlichkeit der Meßinstrumente erhöht oder bestimmte Bedingungen für das System erzeugt. Angenommen, wir hätten nun hinsichtlich der Ausprägung einer Eigenschaft eines solchen Systems bestimmte Wunschvorstellungen. Vielleicht könnte man diese Eigenschaft mit einer Methode, welche die natürlichen Evolution nachahmt, in eine erwünschte Richtung hin verschieben: Permanent wird eine unerwünschte Schwankungsrichtung der Eigenschaft behindert (z.B. durch kurzzeitige zerstörende Energiezufuhr) und eine erwünschte Schwankungsrichtung gefördert (z.B. durch kurzzeitigen Energieentzug).
Die dargestellte
Methode ist nicht neu. Sie entspricht in wesentlichen Punkten dem "Simulated
Annealing" (Tempern) und kann in der Literatur nachgelesen werden (s.a.
genetische Algorithmen, Chaostheorie, Neuronale Netze). Wie eigene Nachforschungen
ergaben, sind allerdings vielfältige (insbesondere technische) ANWENDUNGSMÖGLICHKEITEN,
welche sich ergeben könnten, kaum bekannt. Es muß auch an dieser
Stelle betont werden, daß es sich bei den hier beschriebenen ANWENDUNGEN
lediglich um Anregungen handelt, welche Hypothesencharakter tragen.
Ziel
dieses Textes ist es also, diese Methode bekanntzumachen, damit diese überprüft,
weiterentwickelt und ANGEWENDET werden kann. Der Schwerpunkt soll also
letztlich bei den ANWENDUNGEN liegen. Dabei sollen Spezialisten aller Fachrichtungen
(Physiker, Chemiker, Techniker, Mathematiker, Informatiker, Mediziner,
Chaosforscher u.a.) angesprochen sein, denn ANWENDUNGEN wären auf
vielen Gebieten denkbar. Der Leser sei also aufgefordert, sich selber Gedanken
zu machen. Auch der Autor tat dies an mehreren Stellen. Hier wird also
keine abgeschlossene Theorie geliefert. Dies würde die Möglichkeiten
des Autors übersteigen.
Der
Leser sollte diesen Text aus der Sicht eines "Unwissenden" lesen - er braucht
lediglich über technische Allgemeinbildung zu verfügen. Da dieser
Text für "Unwissende" geschrieben wurde, könnten Experten, welche
dies alles schon wissen, den Eindruck haben, daß hier das Rad neu
erfunden werden soll. Dem ist nicht so. Dies ist ein (relativ) populärwissenschaftlicher
Text, welcher für ANWENDER das Thema erst einmal interessant machen
soll. Später kann der Leser dann die entsprechende Fachliteratur über
genetische Algorithmen, Chaostheorie, Neuronale Netze usw. hinzuziehen.
Die Überschrift des Textes besagt ja bereits, daß hier um ANWENDUNGEN
geht und deshalb wurde das Wort "ANWENDUNG" hier immer großgeschrieben.
Es wird in diesem Text zuerst versucht, die Methode als Nachahmung der
natürlichen Evolution plausibel zu machen. Später werden dann
mögliche ANWENDUNGEN besprochen. Es geht also um eine einfache Nachahmung
der natürlichen Evolution - deshalb auch der Name: Künstliche
Evolution.
Gemeinsamkeiten
mit genetischen Algorithmen und anderen Verfahren sind natürlich nicht
zufällig. Es wurde aber trotzdem der etwas abweichende Name "Künstliche
Evolution" gelassen, da die ANWENDUNGSBEISPIELE Hypothesencharakter tragen
und Konflikte mit den bestehenden und anerkannten Anwendungen und Theorien
vermieden werden sollen.
Zur Motivation werden nachfolgend einige ANWENDUNGSMÖGLICHKEITEN angedeutet, welche später ausführlicher erläutert werden. Wer die nachfolgenden Beispiele bereits verstanden hat, hat das Wesentliche bereits erfaßt.
(Der LEHRER (elektrische Schaltung, Computer o.ä.) steuert in Abhängigkeit der Meßwerte die Energiezufuhr.)
1.) Ändern einer Eigenschaft eines Festkörpers
+---------------------------------------------------+
| LEHRER
(elektrische Schaltung, Computer ...) |
| Er realisiert
folgendes:
|
| Je kleiner
der Abstand zur erwünschten
|
| Ausprägung
der Eigenschaft ist, desto kleiner wird|
| die Energiezufuhr
zum Festkörper eingestellt. |
+-----|--------------------------------------|------+
V
^
V +--------------+
^
+-------|-------+
| Festkörper | +-----|-------------+
| Energiezufuhr
|->>-| (Die Eigen- |->>-| Meßgeräte
|
|
| | schaft |
|(zur Messung |
+---------------+
| schwankt) | |der Eigenschaft )
|
+--------------+ +-------------------+
2.) Erhöhung des Wirkungsgrades einer Energieumwandlung z.B. bei einer Solarzelle
+---------------------------------------------------+
| LEHRER
(elektrische Schaltung, Computer ...) |
| Er realisiert
folgendes:
|
| Je größer
die erzeugte Spannung ist,
|
| desto kleiner
wird die zusätzliche
|
| Energiezufuhr
zum Festkörper eingestellt.
|
+-----|--------------------------------------|------+
V +--------------+
^
V | energie-
| ^
+-------|-------+
| umwandelnder | +-----|-------------+
| zusätzliche
|->>-| Festkörper |->>-| Meßgeräte
|
| Energiezufuhr
| |(die erzeugte | |(zur Messung der
|
+---------------+
| Spannung | |erzeugten Spannung)|
| schwankt) | +-------------------+
+--------------+
3.) Verschiebung von chemischen Gleichgewichten
+-------------------------------------------------------+
| LEHRER
(elektrische Schaltung, Computer ...)
|
| Er realisiert
folgendes:
|
| Je kleiner
der Abstand zur erwünschten
|
| Konzentration
ist, desto kleiner wird die
|
| zusätzliche
Energiezufuhr eingestellt.
|
+-----|--------------------------------------|----------+
V +--------------+
^
V | Stoffe
einer | ^
+-------|-------+
| chemischen | +-----|-------------+
| zusätzliche
|->>-| Reaktion |->>-| Meßgeräte
|
| Energiezufuhr
| | (die
| |(zur Messung der |
+---------------+
| Konzentration| | Konzentration) |
| schwankt) | +-------------------+
+--------------+
4.) Unterstützung von Heilungsprozessen in der Medizin
+-------------------------------------------------------+
| LEHRER
(elektrische Schaltung, Computer ...)
|
| Er realisiert
folgendes:
|
| Immer wenn
ein Krankheitssignal registriert wird, |
| wird die
Energiezufuhr zum Festkörper erhöht,
|
| andernfalls
verringert.
|
+-----|--------------------------------------|----------+
V +--------------+
^
V |
| ^
+-------|-------+
| krankes | +-----|-------------+
|
|->>-| Körperteil |->>-| Meßgeräte
|
| Energiezufuhr
| |( Krankheits- | |(zur Messung der
|
+---------------+
| signale | | Krankheitssignale)|
| schwanken) | +-------------------+
+--------------+
5.) Erhöhung der Emissionsrate einer radioaktiven Substanz
+-------------------------------------------------------+
| LEHRER
(elektrische Schaltung, Computer ...)
|
| Er realisiert
folgendes:
|
| Je größer
die augenblickliche Emissionsrate ist, |
| desto kleiner
wird die
|
| Energiezufuhr
zur radioaktiven Substanz eingestellt. |
+-----|--------------------------------------|----------+
V +--------------+
^
V |
| ^
+-------|-------+
| radioaktive | +-----|-------------+
|
|->>-| Substanz |->>-| Meßgeräte
|
| Energiezufuhr
| | (Emission | |(zur
Messung der |
+---------------+
| schwankt) | | Emissionsrate)
|
|
| +-------------------+
+--------------+
6.) Fiktives Beispiel: Nachweis der Antigravitation
(Wird sicherlich nicht realisiert werden. Soll nur verdeutlichen, daß vielleicht auch ganz neuartige Dinge möglich wären)
+-------------------------------------------------------+
| LEHRER
(elektrische Schaltung, Computer ...)
|
| Er realisiert
folgendes:
|
| Je kleiner
das augenblickliche Gewicht ist,
|
| desto kleiner
wird die
|
| Energiezufuhr
zum Festkörper eingestellt.
|
+-----|--------------------------------------|----------+
V +--------------+
^
V |
| ^
+-------|-------+
| Festkörper | +-----|---------------+
|
|->>-|
|->>-| Piezoelektrische |
| Energiezufuhr
| | (Gewicht |
| Kristalle (zur |
+---------------+
| schwankt) | |Messung des Gewichts)|
|
| +---------------------+
+--------------+
Dies war eine
kurze Zusammenfassung von möglichen ANWENDUNGEN. Wie gesagt, wer die
obigen Beispiele bereits verstanden hat, hat das Wesentliche des nachfolgenden
Textes bereits erfaßt. Eigentlich könnte man jetzt schon mit
dem Experimentieren beginnen. Im Verlauf des weiteren Textes wird lediglich
die Methode plausibel gemacht und darüber nachgedacht, wie man die
Methode optimiert. Beispielsweise könnte man versuchen, innerhalb
des Festkörpers Wechselwirkungsketten aufzubauen, welche mit der erwünschten
Eigenschaft kausal im Zusammenhang stehen. Dies könnte man durch Mischen
verschiedener Materialien erreichen.
2 Die natürliche Evolution
2.1 Ein einfaches Modell der natürlichen Evolution
Zur Vorbetrachtung
soll zunächst einmal ein einfaches Prinzip der natürlichen Evolution
betrachtet werden, welches dann später bei der Künstlichen Evolution
nachgeahmt wird.
Bei
der Evolution der Natur fanden ständig zufällige Veränderungen
statt. Durch diese Zufallsschwankungen entstanden ständig neue Eigenschaften
der natürlichen Systeme, welche ihre Existenz in der sie umgebenen
Umwelt behaupten mußten. Die Eigenschaften, die sich nicht bewährt
haben, wurden einer ZERSTÖRENDEN Beeinflussung durch die Umwelt ausgesetzt
und solche Dinge, die sich bewährt haben, wurden GEFÖRDERT. Die
Evolution wird natürlich nicht allein durch dieses eine Prinzip gesteuert.
Aber für unsere Betrachtungen reicht es erst einmal aus.
Einfaches Modell der natürlichen Evolution:
+------------------------------------------------+
|
UMWELT
|
|
|
| Sie
realisiert folgendes:
|
| Je
besser sich die neuen Eigenschaften in der |
| Umwelt
bewähren, desto kleiner ist
|
| die
zerstörende Beeinflussung auf das System |
| und
desto größer ist die fördernde
|
| Beeinflussung
|
+-----|--------------------------------------|---+
v
^
v
^
+-------v-------+
+--------------+
^
| WIRKUNG
auf | | NATÜRLICHES |
^
| das System:
| | SYSTEM |
+-----|------+
| zerstörende
|->>-|(Seine Eigen- |->>-| WIRKUNG |
| bzw. fördernde|
| schaften | | auf die
|
| BEEINFLUSSUNG
| | schwanken) | |
Umwelt |
+---------------+
+--------------+ +------------+
2.2 Ein Beispiel: Die Entstehung der Arten
Durch Mutationen (= Schwankungen der Natur) entstanden neue Arten, welche sich in der damaligen Umwelt, insbesondere gegenüber den anderen Arten, behaupten mußten. Falls sich die neuen Arten in der vorhandenen Umwelt bewährten, d.h. wenn sie nicht ihre eigenen Existenzbedingungen z.B. Nahrung vernichteten oder wenn sie nicht durch ihre neuen Eigenschaften zu einer leichten Beute anderer Arten wurden usw., dann wurde ihre Existenz gefördert, andernfalls in zerstörender Weise beeinflußt.
3 Die Künstliche Evolution
3.1 Ein allgemeines Modell der Künstlichen Evolution
Analog zum Modell der natürlichen Evolution (bitte vergleichen s.o.) wird jetzt ein Modell der Künstlichen Evolution aufgestellt. Der wesentliche Unterschied besteht darin, daß die UMWELT durch einen LEHRER ersetzt wurde. Die zerstörende bzw. fördernde Beeinflussung wird also jetzt indirekt durch den Menschen gesteuert, welcher dafür einen LEHRER einsetzt. Beim LEHRER kann es sich um eine elektrische Schaltung, einen Computer, eine mechanische Vorrichtung, eine bewußt ausgenutzte natürliche Rückkopplung oder sogar eine manuelle Steuerung handeln. Der LEHRER "beobachtet” mit seinen MESSGERÄTEN das SYSTEM. In solchen Augenblicken, wenn das SYSTEM zufällig in eine erwünschte Richtung schwankt, wird es mehr in fördernder Weise BEEINFLUSST, andernfalls mehr in zerstörender Weise.
Prinzipschaltbild eines künstlichen Evolutionsprozesses mit dem Ziel, die schwankende Eigenschaft EIG des Systems in erwünschter Weise zu beeinflussen:
+------------------------------------------------+
|
LEHRER (elektrische Schaltung, Computer ...) |
|
|
|
Er realisiert folgendes:
|
|
Je kleiner der Abstand zur erwünschten
|
|
Ausprägung von EIG ist, desto kleiner wird |
|
die zerstörende Beeinflussung des Systems |
|
und desto größer die fördernde Beeinflussung |
|
eingestellt.
|
+-----|--------------------------------------|---+
V
^
V +--------------+
^
+-------|-------+
| SYSTEM | +-----|-------+
| zerstörende
|->>-|(Seine Eigen- |->>-| MESSGERÄTE |
| bzw. fördernde|
| schaft EIG | |(zur Messung |
| BEEINFLUSSUNG
| | schwankt) | |
von EIG ) |
+---------------+
+--------------+ +-------------+
Dies ist nur
ein ganz allgemeines Modell, welches man auf die unterschiedlichsten Systeme
anwenden könnte. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Um
uns zu vergewissern, ob die Künstliche Evolution in beschriebener
Weise überhaupt funktionieren KÖNNTE, sind wir gezwungen, zuerst
einmal einen Spezialfall zu betrachten: Künstliche Evolution von Netzwerksystemen,
insbesondere von Festkörpern.
3.2 Ein spezielleres Modell der Künstlichen Evolution: Netzwerksysteme, z.B. Festkörper
Was ist ein Netzwerksystem? Ein Netzwerksystem ist ein System, welches aus vielen, miteinander wechselwirkenden Einzelelementen (hier werden sie Zellen genannt) besteht. Ein Netzwerksystem ist beispielsweise jeder Festkörper mit seinen Atomen und Molekülen, welche miteinander in Wechselwirkung stehen, jedes Lebewesen mit seinen Zellen, die Menschheit mit den einzelnen Individuen, ein Neuronales Netz mit seinen Neuronen und vieles mehr.
Stellvertretend für Netzwerksysteme sollen im folgenden Festkörper betrachtet werden.
Prinzipschaltbild eines Künstlichen Evolutionsprozesses mit dem Ziel, die physikalische Eigenschaft EIG des Festkörpers in eine erwünschte Richtung zu verschieben:
+------------------------------------------------+
|
LEHRER (elektrische Schaltung, Computer ...) |
|
Je kleiner der Abstand zur erwünschten
|
|
Ausprägung von EIG ist, desto kleiner wird |
|
die Energiezufuhr zum Festkörper eingestellt.|
+-----|--------------------------------------|---+
V
^
V +--------------+
^
+-------|-------+
| Festkörper | +-----|-------+
| Energiezufuhr
|->>-| (Die Eigen- |->>-| Meßgeräte |
|
E | | schaft
EIG | |(zur Messung |
+---------------+
| schwankt) | | von EIG )
|
+--------------+ +-------------+
ZUR ENERGIEZUFUHR
· Zur zerstörenden Beeinflussung (s. Allgemeines Modell) wird hier die Energiezufuhr genommen. Eine hohe Energiezufuhr bedeutet hier eine große Zerstörungskraft auf die Struktur des Festkörpers, eine kleine Energiezufuhr bedeutet hier, daß die bestehende Struktur gefördert wird.
· Die Energiezuführung mittels durchdringender Bestrahlung, Wärmezufuhr, (Wechsel-) Felder u.a. muß möglichst gleichmäßig über das gesamte Volumen des Festkörpers erfolgen. (Später wird auch eine Möglichkeit behandelt, bei welcher die Energiezufuhr differenziert erfolgt.)
· Energie
muß auch permanent vom Festkörper wieder abgeführt werden,
sonst würde sich der Festkörper aufheizen und eine Evolution
wäre nicht mehr möglich. In vielen Fällen würde die
natürliche Energieabstrahlung genügen, ansonsten müßte
der Festkörper gekühlt werden.
ZUM FESTKÖRPER
· Die Eigenschaft EIG des Festkörpers muß, wie oben beschrieben, schwanken, sonst funktioniert dieser Evolutionssprozeß nicht. Im Prinzip kann man wohl bei jeder physikalischen Eigenschaft Schwankungen bzw. ein sogenanntes Rauschen feststellen, sobald man nur die Empfindlichkeit der Meßfühler erhöht oder bestimmte Bedingungen erzeugt. Man könnte den Festkörper in Zustände versetzen, bei denen vermehrt Schwankungen auftreten, z.B. Phasenübergänge. Bei den Schwankungen müßte es sich um chaotische Zufallsschwankungen handeln, die ihre Ursache in der inneren Struktur des Festkörpers haben.
ZUM LEHRER
· Die Energiezufuhr in Abhängigkeit zum augenblicklichen Wert von EIG muß durch einen "Lehrer" gesteuert werden. Man könnte eine Funktion dE/dt = f(EIGErwünscht - EIG) definieren, welche der Lehrer realisieren muß.
· Das
obige Evolutionsprinzip wird hier nachgeahmt:
a) EIG schwankt
einmal in die unerwünschte Richtung -->
Teile der
inneren Struktur des Festkörpers werden durch
Energieerhöhung
ZERSTÖRT bzw. umgeordnet
b) EIG schwankt
ein anderes Mal in die erwünschte Richtung -->
Die bestehende
innere Struktur wird diesmal GEFÖRDERT,
indem die
zerstörerische Energiezufuhr gedrosselt wird.
3.3 Eine Computersimulation des Modells
Wie weiter oben bereits erwähnt wurde, geht es hier nicht darum, nachzuweisen, daß ein künstlicher Evolutionsprozeß beim Festkörper unbedingt funktioniert, sondern hier soll lediglich gezeigt werden, daß er funktionieren KÖNNTE und daß es sich lohnt, sich mit dem Thema zu beschäftigen. Deswegen wird hier nur ein einfaches zweidimensionales Modell betrachtet.
DAS MODELL EINES FERROMAGNETEN
1 1 0 0 0 1
0 0 1 1 1 1
1 1 1 0 0 0
0 0 1 0 0 1
1 bedeutet nach OBEN gerichteter Spin. 0 bedeutet nach UNTEN gerichteter Spin.
· Benachbarte
Spins haben die Tendenz, sich gleichartig auszurichten. Wenn ein beliebig
ausgewählter Spin einen bestimmten Wert hat (1 oder 0), dann sei W
die Wahrscheinlichkeit, daß ein beliebig herausgegriffener Nachbarspin
innerhalb einer ZEITEINHEIT denselben Wert einnimmt. W ist ein Maß
für die Kopplung zweier Spins.
· Die
Verteilung der Spins schwankt durch diese Kopplung.
(Nebenbemerkung: Der Wert W ist von der Temperatur abhängig: Je größer die Temperatur des Ferromagneten, desto kleiner ist wegen der Wärmebewegung die Kopplung, und damit W. Die Wahrscheinlichkeit W ist nicht dieselbe wie die in der Literatur verwendete Wahrscheinlichkeit bei der Behandlung der Renormierungsgruppen.)
DAS EVOLUTIONSZIEL (FERROMAGNET)
Folgendes einfaches Evolutionsziel soll der Lehrer versuchen anzustreben:
1 1 1 0 0 0
1 1 1 0 0 0
1 1 1 0 0 0
1 1 1 0 0 0
Es soll also
eine gewisse Ordnung erzeugt werden. Diese Ziel wird sicher nicht vollständig
erreicht werden. Auf der linken Seite sollen aber am Ende wenigstens nachweisbar
mehr 1-Spins vorhanden sein als auf der rechten Seite, d.h. die Eigenschaft
EIG := AnzLinks-AnzRechts soll möglichst groß sein.
Sicherlich
hat dieses konkrete Ziel keinen praktischen Nutzen, aber es geht hier erst
einmal um den prinzipiellen Nachweis der Realisierbarkeit einer Künstlichen
Evolution mit Hilfe dieser Methode. Außerdem soll dieses Beispiel
stellvertretend für ähnliche Ziele stehen, bei welchen es um
die Verschiebung von Gleichgewichten geht, z.B. Ladungstrennungen.
DIE STEUERUNG DES EVOLUTIONSPROZESSES (FERROMAGNET)
Falls man dieses
Experiment in der Praxis durchführen wollte, müßte ein
Lehrer (z.B. in Form eines elektronischen Schaltkreises) mittels Meßgeräten
die schwankende Spinverteilung EIG des Ferromagneten messen können
und mittels Energiezufuhr auf den Ferromagneten einwirken können.
Je näher EIG dem Ziel ist, desto kleiner stellt der Lehrer die Energiezufuhr
ein. Je weiter weg EIG vom Ziel ist, desto größer wird die Energiezufuhr.
Die Art der Energie muß so gewählt werden, daß diese in
der Lage ist, Spins in zufälliger Weise umzuklappen. Es könnte
sich z.B. um ein äußeres magnetisches Wechselfeld mit hoher
Frequenz oder auch um Wärmeenergie handeln bzw. um eine Energieform,
welche sich darin umwandelt, Hauptsache sie ist in zufälliger Weise
zerstörerisch. Vermutlich müßte auch die Reaktionsschnelligkeit
des Lehrers hoch sein (vielleicht 1/1000000 Sekunde?) damit dieser schnell
auf die schwankende Spinverteilung EIG reagieren kann.
Aber
im folgenden soll lediglich eine Simulation durchgeführt werden.
EIN SIMULATIONSPROGRAMM FÜR DEN EVOLUTIONSPROZESS (FERROMAGNET)
(Das vollständige Programm befindet sich im Anhang)
Start
1.) (Simulation
der Meßfühler:)
Bestimme die
Anzahl der 1-Spin auf der linken Seite und die Anzahl der 1-Spins auf der
rechten Seite! Bilde die Differenz EIG := AnzLinks-AnzRechts!
(Es wird also
simuliert, daß die physikalische Eigenschaft EIG gemessen wird, wobei
EIG die Differenz der Gesamtmagnetisierungen in 1-Richtung zwischen linker
und rechter Seite ist. Je größer EIG, desto näher sind
wir dem oben gestellten Ziel.)
2.) (Simulation
des Lehrers:)
Bestimme die
Energiemenge, welche dem Ferromagneten zugeführt werden soll, mit
folgender Formel:
E := k1* (EIGErwünscht
- EIG) , wobei k1 und EIGErwünscht Konstanten sind!
(Je näher
wir dem Ziel (hier EIGErwünscht genannt) kommen, d.h. je größer
EIG, desto kleiner soll die zugeführte Energie sein. Dies entspricht
dem obigen Prinzip eines Evolutionsprozesses)
3.) (Simulation
der Energiezufuhr:)
Bestimme die
Anzahl N der Spins, die zufällig umklappen sollen, mit folgender Formel:
N := k2 *
E (k2 ist eine Konstante)
Wähle
N mal zufällig einen Spin aus und klappe seine Richtung um!
(Je größer
die zugeführte Energie E, desto mehr Spins klappen zufällig um,
d.h. desto größer ist die Zerstörung der Struktur.)
4.) (Simulation
der natürlichen Energiezufuhr:)
Wähle
Nnat mal zufällig einen Spin aus und klappe seine Richtung um!
(Das Spingitter
nimmt die Umgebungstemperatur an. D.h. es klappen unabhängig von der
zugeführten Energie des LEHRERS ständig Spins um.)
5.) (Simulation
der Wechselwirkungen:)
Für die
einzelnen Spins wird die Wechselwirkung mit seinen Nachbarn realisiert:
Mit der Wahrscheinlichkeit
W wird ein Nachbarspin auf den gleichen Wert gesetzt wie der Ausgangsspin.
Beginne von
vorn
ERGEBNISSE (FERROMAGNET)
· Es
kann ein Effekt nachgewiesen werden.
· Je
größer die Wechselwirkung mit den benachbarten Teilchen (je
größer W), desto besser sind die Ergebnisse. (bei W=0.99-->W=12,
bei W=0.7-->EIG=11, bei W=0.3-->EIG=6, bei W=0.1-->EIG=3, bei W=0-->EIG=2)
· Ist
die mittlere oder die maximale Energiezufuhr zu hoch, welche der LEHRER
auf der Grundlage von EIG festlegt, ist kaum noch ein Ergebnis nachzuweisen.
· Falls
EIGErwünscht zu hoch gewählt wurde, d.h. wenn die Anforderungen
zu groß waren, werden die Ergebnisse schlechter.
Wie gesagt, den EINZIGEN Schluß, den man aus den Ergebnissen ziehen sollte, ist, daß es sich lohnt, weiter mit dem Thema zu beschäftigen und praktische Experimente anzustellen.
Sicher würden
beispielsweise bei Spingläsern ähnliche Effekte nachzuweisen
sein. Das Modell des Ferromagneten steht stellvertretend für ÄHNLICHE
und ANALOGE Modelle, in welchen zwischen den Zellen Wechselwirkungen stattfinden,
in der Art, daß der Zustand einer Zelle bestrebt ist, sich auf die
Nachbarzellen zu übertragen.
3.4 Wann ist ein System zu einer Künstlichen Evolution fähig?
Welche Voraussetzungen im Innern des Systems sind für das Zustandekommen eines Evolutionsprozesses notwendig?
Natürliche Evolution:
Betrachten
wir anfangs noch einmal die natürliche Evolution. Bei jeder Evolution
spielten die Eigenschaften ERHALTUNGSSTREBEN und VERÄNDERBARKEIT in
den inneren Bedingungen des Systems eine große Rolle. Wäre das
ERHALTUNGSSTREBEN nicht vorhanden, dann würde jeder Entwicklungsfortschritt
sofort wieder zusammenbrechen und Rückschläge würden bedeuten,
daß nicht einmal Teile von dem, was da war, bestehen blieben. Wäre
die VERÄNDERBARKEIT nicht vorhanden, dann wären Entwicklungsfortschritte
und Korrekturen unmöglich.
Bei
der Entstehung der Arten beispielsweise äußerte sich das ERHALTUNGSSTREBEN
in dem Bestreben nach Erhaltung der Art insbesondere durch Kooperation
und Fortpflanzung (Positive Rückkopplung: je mehr da waren, desto
mehr waren da). Wäre das ERHALTUNGSSTREBEN nicht dagewesen, hätte
die kleinste schädliche Umweltbedingung dazu geführt, daß
die neue Art sofort wieder ausstirbt. Nicht einmal wenige Exemplare einer
Art hätten die Chance bekommen, den Stammbaum in ihrer Richtung fortzusetzen.
Das ERHALTUNGSSTREBEN allein aber hätte lediglich dazu geführt,
daß die Welt von dieser einen Art überschwemmt worden wäre.
Eine Entwicklung wäre damit allein nicht möglich gewesen. Es
mußte noch die VERÄNDERBARKEIT hinzukommen, welche sich in Form
von Zerstörbarkeit durch Umweltbedingungen und Mutationen
äußerte
und dazu führte, daß auch andere Arten wenigstens die Möglichkeiten
erhielten, den Stammbaum in ihrer Richtung fortzusetzen.
ERHALTUNGSSTREBEN
und VERÄNDERBARKEIT müssen natürlich einem ausgewogenem
Verhältnis bestehen. Keines von beiden darf überwiegen.
Anwendung auf die Künstliche Evolution:
Es sei EIG die Eigenschaft, welche durch einen Künstlichen Evolutionsprozeß verändert wurde. Folgende Voraussetzungen sind im Inneren des Systems für einen Künstlichen Evolutionsprozeß notwendig:
1. Es gibt
innerhalb des Systems ein ERHALTUNGSSTREBEN derjenigen Bedingungen, welche
die Eigenschaft EIG hervorrufen.
2. Es muß
gleichzeitig eine relative VERÄNDERBARKEIT dieser Bedingungen vorhanden
sein
Betrachten
wir wieder das Beispiel des Ferromagneten: Die Eigenschaft EIG := AnzLinks
- AnzRechts hängt von der Ausrichtung der einzelnen Spins ab. Die
Ausrichtung der Spins ist also eine Bedingung für das Zustandekommen
der Eigenschaft EIG.
Und
diese Bedingung müßte ein ERHALTUNGSSTREBEN (s.1.) besitzen.
ERHALTUNGSSTREBEN würde in unserem Fall bedeuten, wenn eine Zelle
beispielsweise den Spin 1 hat, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß,
daß diese Zelle im nächsten Augenblick diesen Zustand beibehält.
Dies ist tatsächlich gewährleistet, weil sich der Zustand der
Zelle auf die Nachbarzellen fortpflanzt. Wenn nun aber die Nachbarzellen
im nächsten Augenblick denselben Zustand eingenommen haben, erhöht
das die Wahrscheinlichkeit, daß die Ausgangszelle ebenfalls wieder
diesen Zustand einnimmt. Eine Zelle steckt sozusagen die Nachbarzellen
an und wirkt wieder in der gleichen Weise auf die Ausgangszelle zurück.
Man spricht hier auch von positiver Rückkopplung. Dies deckt sich
auch mit den bekannten Theorien über die Selbstorganisation, wonach
positive Rückkopplung Selbstorganisation begünstigt. Die Computersimulation
zeigte auch, je größer die positive Rückkopplung (je größer
W), desto besser ist das Ergebnis. Dies gilt das nur in einem bestimmten
Bereich - die Rückkopplung darf auch nicht zu groß werden. Andererseits
kann man sogar schon bei W = 0, wenn also keine Wechselwirkung mit den
Nachbarzellen vorliegt, einen Effekt beobachten. D.h. die reine "Trägheit”
der Spins ihren Zustand für einen kurzen Augenblick beizubehalten
reicht bereits aus, um das Merkmal des ERHALTUNGSSTREBENs zu erfüllen.
Die
VERÄNDERBARKEIT der Bedingungen (s.2.) ist beim Ferromagneten ebenfalls
gewährleistet. Durch die Energiezufuhr kann die Ausrichtung der Spins
in zufälliger Weise beeinflußt werden.
Die weiter oben erwähnten SCHWANKUNGEN des Systems, welche für den Evolutionsprozeß notwendig sind, könnten ihre Ursache in ERHALTUNGSSTREBEN und VERÄNDERBARKEIT haben. Das ERHALTUNGSSTREBEN, diesmal in der Form von positiven Rückkopplungen, führt dazu, daß sich das System zuerst einmal in die eine Richtung hin immer mehr aufschaukelt, dann aber - aufgrund der Eigenschaft der Zerstörbarkeit - wieder zusammenbricht. Danach beginnt alles von vorn.
Das ERHALTUNGSSTREBEN kann sich auf sehr verschiedene Weisen äußern. Das fängt an bei der einfachen Trägheit einer Eigenschaft gegenüber Änderungsversuchen bis hin zu positiven Rückkopplungen und dem Bestreben diese Eigenschaften räumlich fortzupflanzen.
Für einen Evolutionsprozeß sind also die Eigenschaften ERHALTUNGSSTREBEN und VERÄNDERBARKEIT notwendig. Vermutlich weist jedes existierende System diese Eigenschaften auf, so daß man Versuche mit jeder Art von System durchführen sollte. Allerdings gibt es Systeme, in welchen diese Eigenschaften besonders hervortreten, und welche für eine Künstliche Evolution besser geeignet wären. Außerdem wäre eine künstliche Synthese von Systemen mit diesen Eigenschaften möglich. Aber dies wird in einem späteren Abschnitt behandelt.
3.5 Was geschieht während einer Künstlichen Evolution?
Es ist schwer, die komplizierten Wechselwirkungen, welche im Innern eines Netzwerksystems stattfinden, verallgemeinernd in Worte zu fassen und anschaulich zu machen. Es soll hier aber wenigstens der Versuch unternommen werden, zu klären, wie ein Künstlicher Evolutionsprozeß funktioniert.
1. Erklärungsversuch:
Bei erwünschten
Schwankungsrichtungen setzt der Lehrer das System einem fördernden
Einfluß aus, welches insbesondere bei ERHALTUNGSSTREBEN in Form von
positiven Rückkopplungen, dazu führt das der Zustand, in welchem
sich das System gerade befindet, noch verstärkt und gefestigt wird.
Aber durch die Eigenschaft der VERÄNDERBARKEIT, wird dieser Zustand
nicht in alle Ewigkeit festgesetzt, sondern kann später durch den
eine zerstörende Beeinflussung des Lehrers korrigiert werden.
Bei unerwünschten
Schwankungsrichtungen setzt der Lehrer das System einem zerstörenden
Einfluß aus, welches aufgrund der VERÄNDERBARKEIT auch wirksam
wird. Aber durch die Eigenschaft der ERHALTUNGSSTREBEN führt dies
nicht zu einem vollständigen Rückfall in den alten Zustand, sondern
Teile, der alten Struktur, welche sich bisher bewährt haben, bleiben
erhalten. Die nächsten Entwicklungsphasen können also schon bei
einem höheren Niveau, hinsichtlich der Wünsche des Lehrers, stattfinden.
Die übernächsten wiederum bei einem höheren Niveau usw.
Die künstliche Evolution schreitet also voran.
2. Erklärungsversuch:
Jedes System
ist bestrebt, einen Zustand niedrigster Energie anzunehmen. Dieser Zustand
ist erreicht, wenn die Eigenschaft EIG des Systems den Wünschen des
Lehrers am besten entspricht, da dann die zerstörende Energiezufuhr
am kleinsten ist.
3. Erklärungsversuch:
In der Natur
funktionieren diese Evolutionsprozesse ja auch. Man sollte dies einfach
nachahmen. Das Nachahmen von Naturerscheinungen hat schon öfters Nutzen
erbracht. Man muß nicht unbedingt verstehen, was genau bei einem
Evolutionsprozeß vorsichgeht.
3.6 Synthese evolutionsfähiger Systeme durch Überlegung
Wie kann man nun Systeme "herstellen”, welche für eine Künstliche Evolution besonders geeignet sind?
Man könnte
von den Wünschen, welche man verfolgt, ausgehen. Angenommen, man verfolgt
das Ziel, eine bestimmte Ausprägung der Eigenschaft EIG herauszubilden.
Man müßte sich nun darüber Gedanken machen, wie man im
Inneren des Systems Bedingungen erzeugen kann, welche die Eigenschaft EIG
über eine kausale Wirkungskette hervorrufen oder mit EIG irgendwie
im Zusammenhang stehen und welche gleichzeitig von einem ERHALTUNGSSTREBEN
gekennzeichnet sind. Weiterhin muß man gewährleisten, daß
diese Bedingungen B beispielsweise durch Energiezufuhr auch wieder zumindest
teilweise zerstörbar sind (VERÄNDERBARKEIT).
Speziell
bei Netzwerksystemen, insbesondere bei Festkörpern, kann man davon
ausgehen, daß eine äußere, globale Eigenschaft EIG bei
den kleinsten Zellen des Systems, also bei den Atomen, Molekülen oder
Partikeln und ihren Wechselwirkungen, ihre Ursache hat. Ebenso müßte
ERHALTUNGSSTREBEN und VERÄNDERBARKEIT bei den Zellen irgendwie zum
Ausdruck kommen. Die globale Eigenschaft der Magnetisierung beim Ferromagneten
(s.o.) hatte ja auch ihre Wurzeln im Mikrokosmos bei den Spins und ebenso
war ERHALTUNGSSTREBEN und VERÄNDERBARKEIT bei den Spins vorhanden.
Wie könnte man bei den Partikeln die Eigenschaft des ERHALTUNGSSTREBENs erzeugen? Oder spezieller: Wie könnte man zwischen den Partikeln eine positive Rückkopplung erzeugen? Betrachten wir zuerst noch einmal das Beispiel des Ferromagneten. Die Rückkopplungen bei den Spins ließen sich vereinfacht folgendermaßen symbolisieren:
s --> s
|
|
(Wirkungskette zwischen zwei benachbarten s )
<--
Es existiert also eine Wirkungskette von einem Eisenatom zum Nachbar-Eisenatom und wieder zurück. Diese Wirkungskette ist relativ kurz und besteht außerdem nur aus gleichartigen Elementen. Man könnte jetzt versuchen, auch längere Wirkungsketten mit ganz unterschiedlichen Elementen zu erzeugen:
a --> b --> c -->
d --> e --> a
|
| (Wirkungskette zwischen zwei benachbarten a )
<--
e <-- d <-- c <-- b <--
Die Rückkopplung zum Ausgangselement a erfolgt auf die gleiche Weise, wie die Kopplung zum Nachbarelement. Wir schreiben deshalb in Zukunft abkürzend nur noch die eine Richtung auf:
Dasselbe wie oben:
a --> b --> c --> d --> e --> a (Wirkungskette zwischen zwei benachbarten a )
Es sind auch
solche Ketten denkbar, bei denen die Wirkungskette eigentlich keine Kette
mehr ist, sondern die Wirkungen kreuz und quer zwischen a,b,c,d... verlaufen
und nur im Endeffekt eine positive Rückkopplung dabei herauskommt.
Bei den a,b,c,d... könnte es sich um Atome, Moleküle, Partikel
oder um bestimmte Zustände innerhalb dieser Teilchen handeln - oder
gar zeitlich aufeinanderfolgende Zustände einunddeselben Teilchens
könnten es sein.
Mit
anderen Worten: Man könnte unter anderem durch MISCHEN mehrerer Stoffe,
deren Atome, Moleküle oder Partikel, miteinander wechselwirken, versuchen,
evolutionsfähige Festkörper zu erzeugen. Wobei man das Wort MISCHEN
nicht unbedingt zu eng sehen sollte. Vielleicht könnte man die Kette
a,b,c,d... auch innerhalb eines einzigen Moleküls unterbringen.
Diese
Wirkungskette muß letztlich irgendwie auch die Eigenschaft EIG, welche
ja nach unseren Wünschen verändert werden soll, erreichen - symbolisch:
|--> EIG
|
|
a --> b -->
c --> d --> e --> a
Selbstverständlich können solche Rückkopplungsprozesse nicht ohne ständige Energiezufuhr EW am Laufen gehalten werden. Irgendein Glied in der Kette muß für diese Energieform empfänglich sein. Weiterhin wäre denkbar, daß bei bestimmten Elementen a,b,c,d,e... erst unter ganz bestimmten, äußeren physikalischen Bedingungen B eine Wirkung auf Nachbarelemente zustandekommt. Ganz wichtig ist natürlich die zerstörende Energiezufuhr EZ des Lehrers welche irgendwo in die Kette eingreifen muß (VERÄNDERBARKEIT):
EZ -->| |--> EIG
| |
EW -->|
| | |<-- B
| | |
|
a --> b -->
c --> d --> e --> a
Dies ist natürlich
nur ein vereinfachtes Modell. Wie gesagt, die Wirkungen können kreuz
und quer zwischen den Elementen a,b,c,d,e... verlaufen. EZ,EW,B und EIG
könnten nicht nur an jeweils einem Element ansetzen, wie in der Abbildung,
sondern könnten mit mehreren Kettengliedern gleichzeitig im Zusammenhang
stehen. Weiterhin könnte es sich bei EZ und EW um die gleiche Energieform
handeln, d.h. die Energie, welche der Lehrer zuführt, könnte
auch der Energielieferant für die inneren Wechselwirkungen sein.
Die letzte
Abbildung läßt sich übrigens mit weniger Platzaufwand und
weniger Malarbeit auch folgendermaßen darstellen:
a --> b --> c -->
d --> e --> f --> a, EW --> b, EZ --> c, d --> EIG, B
--> e
ZUSAMMENFASSENDE BEMERKUNGEN ZUM NETZWERKSYSTEM
Bevor wir weitergehen
soll unter anderem versucht werden, eine gewisse begriffliche Klarheit
zu erzeugen.
Da wir jetzt
von Mischsystemen sprechen, gibt es jetzt auch verschiedenartige Zellen
im Netzwerksystem. Hier sei eine Mischung dreier Materialien symbolisiert.
Jede Zelle eines Systems wird mit einem Kleinbuchstaben bezeichnet. Es
gibt in unserem Beispiel Zellen a und andersgeartete Zellen b und c:
a - b - a - c - a
- b
| |
| | | |
b - a - c - a -
b - c
| |
| | | |
c - b - a - c -
a - b
| |
| | | |
b - a - c - a -
b - c
Jede Zelle
eines Netzwerksystems - bei uns sind es die Zellen a,b und c - besitzt
eine veränderliche Eigenschaft, welche zu einem bestimmten Zeitpunkt
eine bestimmte Ausprägung hat. Jede Zellart repräsentiert sozusagen
eine andere veränderliche Eigenschaftsart. Es kann also durchaus vorkommen,
daß zwei verschiedene Zellen lediglich zwei verschiedene Eigenschaftsarten
einunddeselben Atoms darstellen. Aber bei unseren einfachen Mischsystemen
reicht es aus, wenn man sich unter einer bestimmten Zelle einen einzigen
Partikel, ein Molekül oder ein anderes räumlich abgegrenztes
Objekt vorstellt, welches veränderliche Eigenschaften besitzt.
Die
Eigenschaften einer Zelle sind von den Eigenschaften der anderen Zellen
abhängig, deshalb kann eine Wirkungskette zwischen benachbarten Zellen
existieren, z.B.:
a --> b --> c --> a
Die Nachbarzelle
(rechtes a) kann auf die gleiche Weise auf die Ausgangszelle (linkes a)
zurückwirken (Rückkopplung). Der Ausdruck a --> b soll bedeuten,
daß die Ausprägung der Eigenschaft der Zelle b von der Ausprägung
der Eigenschaft der Zelle a in irgendeiner Weise kausal abhängig ist.
Weiterhin sagt ein Pfeil --> nichts über die Art der Abhängigkeit
aus. Vereinbarung: Falls in den folgenden Ausführungen nichts anderes
definiert wird, soll es sich bei einem geschlossener Kreislauf z. B a -->
b --> c --> a (am Ende steht dasselbe wie am Anfang) um eine dem ERHALTUNGSSTREBEN
dienende Kopplung zwischen Anfangs - und Endelement handeln. Weiterhin
kann das Endelement auf die gleiche Art auf das Anfangselement zurückwirken
(was aber in der Symbolik weggelassen wird). Eine solche Art der positiven
Rückkopplung wäre z.B. gewährleistet, wenn das End-a mit
einer gewissen Wahrscheinlichkeit gezwungen wird, dieselbe Ausprägung
seiner Eigenschaft einzunehmen wie das Anfangs-a, so daß das End-a
dann auf die gleiche Weise zurückwirken kann (Spingitter siehe oben).
Eine andere Möglichkeit bestünde darin, wenn sich Anfangs-a und
End-a sich jeweils in die gleiche Richtung bis zu einem Stabilisierungspunkt
hin aufschaukeln würden. Aus "kleinen” Eigenschaften von a entstünden
durch das Aufschaukeln im Endeffekt noch kleinere Eigenschaften und aus
"größeren” Eigenschaften von a noch größere. Vielleicht
gibt es auch noch andere Möglichkeiten für solche Rückkopplungen.
Anhand folgender
Rückkopplungskette sollen noch einmal die Symbole EW, EZ, BED, EIG
erklärt werden:
a --> b --> c --> d --> e --> f --> a, EW --> b,
EZ --> c, BED --> e, d --> EIG
· EW
--> b bedeutet: Damit b die Wirkung innerhalb der Kette weitergeben kann,
ist Energie EW notwendig.
· EZ
--> c bedeutet: Die zerstörende Energiezufuhr findet bei c ihren Angriffspunkt.
EZ und EW können auch zusammenfallen.
· BED
--> e bedeutet: e kann seine Funktion innerhalb der Kette nur unter einer
zu erzeugenden Bedingung BED aufrechterhalten.
· d
--> EIG bedeutet: d hängt mit derjenigen Eigenschaft EIG zusammen,
welche man durch die künstliche Evolution verändern will. EIG
könnte z.B. eine globale äußere Eigenschaft des Festkörpers
sein, welche sich aus einer bestimmten räumlichen oder zeitlichen
Eigenschaftsverteilung vieler kleiner d-Partikel zusammensetzt.
3.6.1 Kooperatives Erhaltungsstreben durch Trägheit
Anhand eines Problems sollen nun die eben gemachten Ausführungen angewendet werden. Dieses Beispiel soll vor allem auch einen Einblick in die Denkweise vermitteln.
Rückkopplung im Ferromagneten:
s --> s
Folgendes erweist
sich als störend bei unserem Ferromagneten: Es ist zwar erwünscht,
daß ein Spin bestrebt ist, sich auf die Nachbarzellen auszubreiten,
denn das bedeutet ja ERHALTUNGSSTREBEN, aber das Erhaltungsstreben des
einen Spins macht die Bestrebungen anderer Spins, welche sich vielleicht
anders ausgerichtet haben, augenblicklich wieder zunichte. Es handelt sich
also um eine UNKOOPERATIVE Form des Erhaltungsstrebens. Jeder Spin "denkt”
nur an sich selbst. Wir wollen deshalb überlegen, wie wir den Spins
eine gewisse TRÄGHEIT verleihen können, so daß eine einmal
erreichte Ausrichtung eines Spin nicht sofort wieder zerstört werden
kann.
Man
könnte zuerst einmal durch Temperaturerniedrigung die Kopplung W der
Spins erhöhen, was die Schwankungen der Spins verringern würde.
Die Spins sind dann bestrebt eine relativ einheitliche Richtung einzunehmen,
d.h. sie besitzen jetzt eine gewisse Trägheit, ihre Richtung zu ändern.
ALLE Spins "wollen” in die gleiche Richtung zeigen. Das ist nun etwas zuviel
des Guten. Vielleicht sollte man die Spins in kleine GRUPPEN aufteilen,
besser gesagt auf einzelne Partikel. Der Ferromagnet wird sozusagen zerkleinert
und die Partikel werden wieder zusammengesetzt. Ein einzelner Partikel
ist dann relativ stabil, alle seine Spins sind bestrebt in die gleiche
Richtung zu zeigen. Allerdings haben nun die Spins der anderen Partikel,
durch die geringere Kopplung aufgrund der Distanz zwischen den Partikeln,
die Freiheit, sich in andere Richtungen auszurichten. Die Temperatur darf
nicht zu niedrig sein, sonst könnten die Spins durch Energiezufuhr
nicht mehr umgekippt werden. Das Merkmal der VERÄNDERBARKEIT wäre
nicht mehr erfüllt. Die Lücken zwischen den Partikeln könnten
bei Bedarf durch Hinzumischen eines neutralen oder magnet-abschirmenden
Materials vergrößert werden. Dadurch könnte die Kopplung
zwischen den Partikeln auf ein Maß beschränkt werden, daß
ein einzelner Nachbar überhaupt nicht mehr in der Lage wäre,
die Spins eines Partikels umzukippen, denn dieser ist jetzt so träge
geworden, daß dazu mehrere Nachbarn in die gleiche Richtung zeigen
müssen.
Aber
man könnte auch ein ganz bestimmtes Material x hinzumischen, welches
aktiv in den Rückkopplungsprozeß eingreift (s. obige Ausführungen).
Das Material x soll jetzt gesucht werden:
s --> x --> s
Durch das Mischen
wurde also in die Rückkopplungskette ein Partikel des Materials x
eingefügt.
s symbolisiert
einen Partikel des Ferromagneten. Um die Rückkopplung aufrecht zu
erhalten, ist Energie notwendig:
EW -->|
|
s --> x -->
s
X soll also
s fördern und umgekehrt. Wir müssen also die Frage klären,
welche Prozesse in x auf die Magnetisierung von s Einfluß haben könnten.
Das naheliegendste ist, daß x ebenfalls wieder magnetische Eigenschaften
besitzt. Wie kann man durch Energiezufuhr EW magnetische Eigenschaften
von x erzeugen? Man könnte durch die Energie EW in x enthaltene Elektronen
in Bewegung setzen, welche dann automatisch ein Magnetfeld besitzen. D.h.
x könnte ein Halbleiter sein, aus welchem man bekanntlich durch Energiezufuhr
in verschiedenster Form, freibewegliche Elektronen und andere Ladungsträger
herausschlagen kann. Und die Naturgesetze wollen es zufällig so, daß
sich die Bahnen der Ladungsträger auf die Art organisieren, daß
die Magnetfelder von s und die Magnetfelder der bewegten Ladungsträger
in x GLEICHARTIG ausrichten (weil dann die Energie am geringsten ist).
D.h. Magnetfelder von s und x beeinflussen sich gegenseitig in fördernder
Weise - positive Rückkopplung findet statt. Die Energie EW dient also
dazu, die Rückkopplung aufrechtzuerhalten, d.h. dem ERHALTUNGSSTREBEN.
Zufälligerweise kann sie aber auch der VERÄNDERBARKEIT dienen.
Wird nämlich die Energiezufuhr EW zu einem bestimmten Betrag erhöht,
werden so viele Ladungsträger entstehen, daß diese nicht mehr
durch das Magnetfeld von s organisiert werden können. In x entstehen
dann ungeordnete Wirbelströme deren Magnetfelder die Spins von s umordnen
können. D.h. je größer EW desto zerstörerischer und
je niedriger EW desto fördernder ist der Einfluß von EW. Das
ist ja genau das, was wir wollen (s. oben: Modell der künstlichen
Evolution). Die durchschnittliche Größe jeder Partikelsorte,
das Mischungsverhältnis beider Stoffe, die mittlere Energiezufuhr
usw. müssen natürlich - u.a. durch Meßreihen - genau ausbalanciert
werden - aber dazu später mehr.
Die
einzelnen x müssen wahrscheinlich voneinander elektrisch isoliert
werden, weil sonst die Kopplung zwischen allen x des Netzwerkes zu groß
wäre. Man hätte dann wieder unkooperatives Erhaltungstreben.
Dies kann man z.B. erreichen, indem man noch einen Isolator-Partikel hinzumischt
oder für die s Spulenkernmaterial (Fe und Isolator fein vermischt)
verwendet.
3.6.2 Neuronale Netze
In obiger Symbolik wurden immer nur benachbarte Zellen des Netzwerkes betrachtet. Betrachten wir jetzt einmal einen größeren Ausschnitt:
s - x - s - x - s
- x
| |
| | | |
x - s - x - s -
x - s
| |
| | | |
s - x - s - x -
s - x
| |
| | | |
x - s - x - s -
x - s
| |
| | | |
s - x - s - x -
s - x
Ein Strich
- soll eine Wechselwirkung zwischen UNTERSCHIEDLICHEN Partikelarten symbolisieren.
Eine Wechselwirkungsart, welche zufällig ebenfalls vorhanden ist,
wurde hier noch nicht eingezeichnet: die zwischen den x Partikeln. Die
Magnetfelder der Leitungsströme benachbarter x Partikel beeinflussen
sich ebenfalls und sind bestrebt, sich gleichartig auszurichten. Der Zustand
eines x überträgt sich durch Induktion auf das Nachbar-x, und
das ist von der Ausrichtung der dazwischenliegenden s abhängig.
Damit
würde unser Netzwerk ein klassisches Neuronales Netz darstellen, wobei
die x die neuronalen Zellen und die s die Rolle der Verknüpfungen
spielen. Zumindest existieren interessante Gemeinsamkeiten mit einem "herkömmlichen”
Neuronalen Netz, wie der folgende Vergleich zeigt:
| Allgemeines Neuronales Netz | Neuronales Netz aus s und x |
| Der Zustand einer neuronalen Zelle ist relativ veränderlich, d.h. er schwankt zwischen verschiedenen Anregungszuständen. | X
spielt die Rolle einer neuronalen Zelle. Sein Zustand ist relativ veränderlich,
d.h. er kann zwischen verschiedenen Zuständen (Stromrichtungen und
Stromstärken)
schwanken. |
| Die neuronalen Zellen sind miteinander verknüpft. | s spielt die Rolle einer Verknüpfung zwischen den neuronalen Zellen. |
| Die Art einer Verknüpfung ist relativ konstant. | Die Ausrichtung von s ist relativ konstant. |
| Je
nach Art der jeweiligen Verknüpfungen bestimmt der
Zustand der einen Zelle den Zustand der Nachbarzellen. |
Je nach Art (Ausrichtung) der jeweiligen magnetischen Partikel s zwischen den Zellen x, wird der elektrische Zustand der einen Zelle auf die andere Zelle übertragen. |
| Die Verknüpfungen können sich ändern. Diese Änderung erfolgt z.B. nach der Hebbschen Regel (Lernregel): Eine häufige gleichzeitige Anregung von Nachbarzellen fördert deren positive Verknüpfung, ansonsten wird eine negative Verknüpfung gefördert | Es existiert eine Gesetzmäßigkeit, welche der Hebbschen Regel ähnlich ist: Gleichartige Anregungen (=Stromrichtungen) zweier Nachbarzellen x fördern eine andere Art (=Ausrichtung) der Verknüpfung s als entgegengesetzte Anregungen. |
In unserem
Beispiel handelte es sich bei s und x um ferromagnetisches Material und
Halbleiter. Sicher wären auch andere Materialkombinationen möglich,
um neuronale Netzstrukturen zu erzeugen. Ein Kandidat dafür wäre
jedes Material mit einer leicht veränderlichen Eigenschaft e1 (für
die neuronalen Zellen) vermischt mit einem Material mit einer relativ konstanten
Eigenschaft e2 (für die Verknüpfungen), wobei e1 und e2 sich
gegenseitig beeinflussen können müssen.
Auch
unser einfaches Spingitter (siehe oben Computersimulation) könnte
man schon als Neuronales Netz bezeichnen, und in der Literatur wird dies
auch gemacht. Aber was wir hier vorliegen haben (s und x vermischt), ist
ein Netzwerk im klassischen Sinne, welches auf Grund der Trägheit
der Verknüpfungen s auch Lernvermögen im üblichen Sinn besitzen
könnte. Bereits Erlerntes wäre relativ stabil und Neuzuerlernendes
könnte darauf aufbauen, ohne daß das Alte gleich zerbricht.
Das sind günstige Bedingungen für eine Höherentwicklung.
D.h. vielleicht könnte man mit solchen Strukturen auch wesentlich
kompliziertere Evolutionsziele verfolgen, als nur die Spinverteilung zu
verändern. Vielleicht könnte man komplizierte räumlich-zeitliche
Spinverteilungen erreichen, die ein bestimmtes technisches Ziel bewirken
können oder Informationsverarbeitung betreiben (dazu später mehr).
Mag
sein, daß es genauso wie es beschrieben wurde - also mit den Zutaten
s und x - nicht funktioniert. Aber vielleicht geht es so auf ähnliche
Weise. Ziel war es aber, dem Leser wenigstens klarzumachen, welche Überlegungen
man bei der Synthese evolutionsfähiger System anstellen könnte.
Es
sind hier sicher auch Parallelen zu natürlichen Neuronalen Netzwerken,
wie es z.B. in unserem Gehirn existiert, zu erkennen. Bei unerwünschtem
Verhalten eines Kindes beispielsweise veranlaßt der LEHRER, daß
sich die vorhandene Gehirnstruktur gewissermaßen "lockert” und teilweise
umstrukturiert werden kann, während bei erwünschtem Verhalten
die vorhandene Gehirnstruktur gefördert wird. Diese "Lockerung” der
Gehirnstruktur kann durchaus wie bei unserem Evolutionsmodell globalen
Charakter haben, indem z.B. bei Bestrafung gewisse Emotionen ausgelöst
werden, welche bestimmte globale chemische Veränderungen im Gehirn
verursachen. Das gleiche gilt bei Belohnung.
3.6.3 Mischen
Mischen ist nicht gleich Mischen. Angenommen, man hat die Materialien a,b,c... durch Überlegung herausgefunden, welche für ein evolutionsfähiges System infrage kämen. Sicher kann und muß man zur Art und Weise der Mischung dieser Materialien auch theoretische Überlegungen anstellen. Aber man sollte auch mittels praktischer Experimente Meßreihen aufstellen, bei welchen die einzelnen Parameter der Mischung variiert werden. Auch wenn man anfangs keinen oder wenig Erfolg hat, könnte man auf diese Weise die Evolutionsfähigkeit der Mischung optimieren.
Welche Parameter der Mischung könnte man variieren?
· Das
Mischungsverhältnis
· Die
Abmessungen der Partikel
· Beimengung
von neutralen Partikeln zur Vergrößerung der Distanz
· Vielleicht
fehlt noch eine Partikelart? (Es gibt leicht veränderliche Partikel,
Partikel zur Aufrechterhaltung der Rückkopplung, zur Aufnahme der
zerstörenden Energiezufuhr, zum Wirksamwerdenlassen von Bedingungen,
zur Realisierung von Trägheit...)
· Mischen
im übertragenen Sinne: Vereinen der einzelnen Partikeln auf ein Molekül
· Sonderformen
des Mischens: In Grenzschichten, wo zwei Materialien aufeinandertreffen,
kann auch eine Vermischung auftreten. Eventuell könnten viele Schichten
übereinander gelegt werden.
· Geordnetes
Mischen: Alle Partikel einer bestimmten Sorte sind vollkommen gleich, z.B.
flach quaderförmig. Die zu mischenden Partikel werden auf wohldefinierte
Stellen in regelmäßiger Weise und gleichem Abstand auf einer
Matrix immer abwechselnd angeordnet. (Man könnte dieselben Verfahren,
wie bei der Chipherstellung nutzen.) Wenn man jetzt auf diesem Chip Möglichkeiten
integriert um die Zustände einzelner Partikel zu ermitteln und zu
beeinflussen hätte man jetzt die Möglichkeit, den Evolutionsprozeß
im einzelnen zu beobachten oder bei den bereits fertig evolutionierten
Chips, Kopien von der Struktur herzustellen, welche man auf einfache Weise
auf andere Chips übertragen kann, ohne daß diese selbst einen
Evolutionsprozeß durchmachen müßten.
· Hierarchischer
Aufbau der Partikel: In der Natur existieren Hierarchien, z.B.: Lebewesen
--> Organe --> Gewebe --> Zellen --> Zellbestandteile --> Moleküle
--> Atome. Vielleicht sollte man sich daran ein Beispiel nehmen, und wenigstens
einmal damit experimentieren, ein Mischsystem genauso aufzubauen: Das Gesamtsystem
besteht aus 1000 Partikeln. Jeder dieser Partikel besteht wiederum aus
1000 kleineren Partikeln. Jeder dieser kleineren Partikel besteht wiederum
aus 1000 noch kleineren Partikeln usw. Wobei auf jeder Hierarchiestufe
jeder Partikel mit seinen Unterpartikeln ein relativ abgeschlossenes evolutionsfähiges
System bildet. Vielleicht treten jetzt auch Sprünge in der Evolution
auf? Der LEHRER müßte dann zu einem etwas differenzierterem
Vorgehen befähigt werden (später mehr). Das soll nur so eine
Idee sein, welche von der Natur abgeguckt wurde.
· Sicher
gibt es noch andere Möglichkeiten. Bitte selber nachdenken!
3.6.4 Form
Man sollte
sich auch Gedanken über die Form und die Abmessungen des evolutionsfähigen
Systems machen. Um eine gleichmäßige Verteilung der durch den
LEHRER gesteuerten Energiezufuhr zu erreichen, wäre vielleicht in
manchen Fällen eine flache Form, z.B. die Form einer Scheibe, eines
Bandes oder lamellenförmig, angebracht. Wenn die Energie dann auf
die große Oberfläche trifft, durchquert sie die gesamte dünne
Schicht und wird nicht mehr wie bei einer dicken Schicht durch die obersten
Schichten des Systems absorbiert. Dünne Schichten könnte man
auch durch Aufdampfen erzeugen. Eine flache, dünnschichtige Form hätte
ebenfalls den Vorteil, daß die Energie in Form von niederwertiger
Wärme leicht wieder abgeführt werden kann. Der denkende Teil
unseres Gehirns ist übrigens ebenfalls flach - die Gehirnrinde. Warum
wohl?
In
der Experimentierphase ist es vielleicht ratsam, die Abmessungen des Systems
insgesamt (mikroskopisch) klein zu halten. Vielleicht kann man so schnellere
Ergebnisse erzielen.
3.6.5 Wachstum
In der Natur
ist ebenfalls auffällig, daß die Lebewesen während ihrer
Individualentwicklung wachsen. Aus einer winzigen Zelle wird ein großer
Organismus. Sicher ist das vorteilhaft für ihre Entwicklungsfähigkeit.
Vielleicht sollte man auch das einmal versuchen nachzuahmen: Mit einer
kleinen Abmessung des Systems beginnen. Wenn das Evolutionsziel bei dieser
kleinen Abmessung erreicht ist, das System etwas vergrößern
durch Vergrößerung der Fläche oder durch Aufdampfen usw.
Dann beginnt erneut der Evolutionsprozeß. Wenn das Ziel erreicht
ist, wieder das System vergrößern usw.
3.6.6 Indirektheit
Angenommen man hat ein bestimmtes evolutionsfähiges System erst einmal konstruiert, so ist man damit unter Umständen automatisch in der Lage, vielfältige andere evolutionsfähige Systeme herzustellen. Als Beispiel soll wieder unser Mischsystem aus s und x dienen, welches ja bekanntlich aus einem Netzwerk von vielen Rückkopplungskreisen der Art
s --> x --> s
besteht. Um daraus (theoretisch) beliebig viele andere Systeme zu basteln, braucht man lediglich an diesen Kreislauf eine oder mehrere Wirkungsketten anzuschließen:
| --> x1 --> x2 --> x3 --> x4 -->
EIG
|
s -->
x --> s
Je nachdem, welche x1...xn man anschließt, können am Ende der Kette höchst unterschiedliche Arten von Eigenschaften EIG herauskommen, d.h. ein einziges evolutionsfähiges System könnte für höchst unterschiedliche Anwendungen benutzt werden. Die angeschlossene Kette muß übrigens nicht unbedingt geradlinig verlaufen. Es könnte Kettenglieder geben, welche ihre Rolle nur durch zusätzliche äußere Energiezufuhr einer bestimmten Art oder nur unter bestimmten äußeren Bedingungen ausüben, welche man dann gewährleisten muß. Innerhalb der Kette könnten weitere andersgeartete Rückkopplungskreise auftreten. Weiterhin muß die Kette nicht unbedingt am x ansetzen, sondern kann dies auch von s aus tun. Sowohl von x, als auch von s könnte jeweils eine Kette abgehen. Von jedem Glied der Kette könnten wiederum Ketten ausgehen usw.
Als evolutionsfähiges System, welches indirekt ein anderes System steuert, könnte auch ein künstliches System dienen, dessen Zellzustände rein softwaremäßig gesteuert werden. Eine Matrix aus Elektroden könnte solch ein System sein. Eine Elektrode stellt dann eine Zelle des Systems dar. Der Zustand jeder einzelnen Elektrode (Spannung, Frequenz u.a.) wird direkt durch die Software eines Computers gesteuert. Die Elektroden könnten zu medizinischen Zwecken (vielleicht zur Schmerzbehandlung) auf der Haut eines Patienten angebracht werden. Die Eigenschaft EIG würde dann bestimmte Krankheits- oder Streßsignale darstellen, z.B. Hautwiderstand. Je größer die Krankheitssignale sind, desto mehr müßte die Software die Neuorganisation der Zustände der Elektroden betreiben. Je kleiner die Krankheitssignale, desto kleiner soll die Neuorganisation sein. Die entsprechende Software und mathematische Modelle müßte es dafür heutzutage genug geben.
+-------------------------------------------------------+
| LEHRER
(Computer ...)
|
| Er realisiert
folgendes:
|
| Immer wenn
ein Krankheitssignal registriert wird, |
| wird die
Neuorganisation der Elektrodenmatrix erhöht, |
| andernfalls
verringert.
|
+-----------|--------------------------------|----------+
v
^
v
^
v
^
+-|-+->>-+--------------+
^
| M |->>-|
| ^
| a |->>-| krankes | +-----|-------------+
| t |->>-| Körperteil |->>-| Meßgeräte
|
| r |->>-|( Krankheits- | |(zur Messung der
|
| i |->>-| signale | |
Krankheitssignale)|
| x |->>-| schwanken) | +-------------------+
+---+->>-+--------------+
3.6.7 Kombinationsspiele
Irgendwie erinnert
das an ein Kombinationsspiel zwischen irgendwelchen Kettengliedern a,b,c...
und EZ, EW, B und EIG, wobei eine Komponente in diesem Geflecht auch mehrmals
und in verschiedenen Erscheinungsformen auftreten kann (z.B. B als B1,B2,B3
...).
Eigentlich
müßte man sämtlich mögliche Kettenglieder und Komponenten
in einer Datenbank erfassen, einschließlich ihrer möglichen
Inputs und Outputs. Je nach Aufgabenstellung bastelt dann ein Computer
oder auch ein Mensch die Kettenkombinationen zusammen. Es gibt zwei grundsätzliche
Aufgabenstellungen:
· Angenommen,
man möchte eine bestimmte Eigenschaft EIG beeinflussen. Welche Wirkungsketten
mit welchen Bestandteilen a,b,c ..., Bedingungen B, Energien EW und EZ
könnte man zusammensetzen, so daß am Ende der Kette die Eigenschaft
EIG steht?
· Umgekehrte
Frage: Angenommen, man hat eine bestimmte Anzahl von Kettenbausteinen a,b,c
..., B, EZ und EW zur Verfügung. Welche verschiedenen Eigenschaften
EIG könnte man durch ihre Kombination erzeugen?
Angenommen,
man hat eine Kettenkonfiguration gefunden, von der man meint, daß
sie zu einer bestimmten EIG führt, so muß das natürlich
in der Praxis nicht unbedingt funktionieren. Man dürfte diese Kette
nur als einen Kandidaten bezeichnen, welcher durch Experimente überprüft
werden muß. Man könnte versuchen, genauere Modelle der Abhängigkeiten
b = f(a) zwischen den Kettengliedern zu entwerfen, denn a --> b gibt eigentlich
nur einen qualitativen Zusammenhang wieder. Sicher stellt dies eine Herausforderung
dar, aber man sollte überlegen, ob man nicht unter Umständen
durch qualitative Überlegungen kombiniert mit Probieren und Experimentieren
schneller ist, denn Systeme mit vielfältigen Rückkopplungen lassen
sich schwer berechnen.
3.7 Künstliche Evolution durch Ausprobieren
Man könnte
bei der Synthese evolutionsfähiger Systeme durch einen exakten Modellierungsversuch
der Kettenglieder einschließlich exakter Berechnungen usw. vielleicht
zum Ziel kommen. Das wäre die eine Methode. Dem gegenüber steht
die Methode des Ausprobierens einschließlich einfacher qualitativer
Überlegungen.
Zur Realisierung
der Ausprobiermethode könnte man eine Maschine konstruieren, welche
das Mischen und die Überprüfung der Evolutionsfähigkeit
automatisiert. Angenommen, man möchte die Ausprägung einer bestimmten
Eigenschaft EIG beeinflussen. Man stellt der Mischmaschine alle diejenigen
Materialien a,b,c ... in verschiedenen Behältern zur Verfügung,
welche als Kettenglieder im weitesten Sinne in Frage kämen. Die Mischmaschine
stellt nun die verschiedensten Kombinationen der Materialien her - in verschiedenen
Konzentrationen, unter verschiedenen Bedingungen, bei verschiedenen Arten
und Größen der Energiezufuhr EZ oder EW und testet bei jeder
Kombination die Evolutionsfähigkeit aus. Das Austesten erfolgt folgendermaßen:
Zuerst wird festgestellt, ob EIG schwankt. Falls dies der Fall ist, wird
ein kurzer künstlicher Evolutionsprozeß durchgeführt: Je
näher das schwankende EIG der erwünschten Ausprägung von
EIG ist, desto kleiner stellt der LEHRER, welcher in der Maschine integriert
ist, die zerstörende Energiezufuhr ein. Wenn sich nach einer festgelegten
Zeit die Eigenschaft EIG statistisch gesehen häufiger in der Nähe
seiner erwünschten Ausprägung befindet, dann wäre eine Evolutionsfähigkeit
vorhanden. Falls eine Kombination leiseste Anzeichen einer Evolutionsfähigkeit
zeigt, forscht die Maschine selbständig durch kleine Veränderungen
dieser Kombination weiter und versucht diese zu optimieren.
Angenommen,
man hat durch Ausprobieren, evolutionsfähige Kombinationen herausgefunden,
so könnte man jetzt durch Überlegung der Frage nachgehen, warum
das so ist und auf dieser Grundlage weitere Ausprobierexperimente starten
- usw.
Eigentlich
haben wir es hier mit doppelter Evolution zu tun. Einmal führt der
LEHRER bei jeder Kombination einen Evolutionsversuch durch. Zum anderen
wird die Mischmaschine durch einen genetischen Algorithmus gesteuert und
selektiert die günstigsten Kombinationen heraus.
Sicher
gibt es Materialien, welche besonders für Evolutionsprozesse geeignet
wären. Dies könnten Materialien sein, welche bereits eine Tendenz
zur Selbstorganisation aufweisen, beispielsweise bestimmte organische Verbindungen
oder Materialien, welche für den Einsatz in sogenannten Biochips vorgesehen
sind.
Beim Experimentieren
wäre weiterhin ein allgemeines Evolutionstestgerät von Nutzen,
welches im Gegensatz zur Mischmaschine keine evolutionsfähigen Systeme
synthetisiert, sondern bereits vorhandene technische Systeme oder "von
Hand” hergestellte Systeme auf ihre Evolutionsfähigkeit hin überprüft.
Solch ein Testgerät ist im Prinzip ein Meßgerät und sieht
vielleicht auch so aus. Sicher würde solch ein Gerät mit seiner
integrierten Steuerlogik (dem LEHRER) auf eine bestimmte zerstörende
Energieform EZ (z.B. elektromagnetisches Wechselfeld) und auf eine bestimmte
zu messende Eigenschaftsart EIG (z.B. elektrische Feldstärke) spezialisiert
sein. Denkbar wären auch Module für verschiedene Arten von EZ
und EIG, welche man je nach Bedarf an den LEHRER anschließen kann.
Es wäre
dann auch naheliegend eine Meßgröße für die Evolutionsfähigkeit
hinsichtlich einer bestimmten Eigenschaft EIG einzuführen.
Vermutlich
sind viele bereits vorhandene Materialien und technische Systeme von vornherein
hinsichtlich bestimmter Eigenschaftsarten EIG evolutionsfähig. Unser
Ferromagnet (Spingitter) z.B. Eisen war ja auch evolutionsfähig (zumindest
theoretisch), ohne daß wir es erst herstellen müßten.
Wir hätten uns nicht einmal Gedanken darüber machen müssen,
warum das so ist. Wir hätten uns einfach irgendein Material in unserer
Nähe greifen können z.B. Eisen, hätten darauf einen LEHRER
angesetzt und hätten Evolutionsfähigkeit festgestellt ohne auch
nur eine geringste Ahnung haben zu müssen, welcher Art die Wechselwirkungen
in seinem Inneren sind. D.h. unabhängig davon, ob wir es wissen oder
ob wir es wollen oder ob es uns Recht ist, könnte es in gebräuchlichen
Systemen irgendwelche Rückkopplungsketten a --> b --> c ... --> a
existieren, welche eine Evolutionsfähigkeit begünstigen. Der
Mikrokosmos ist ja bekanntlich sehr vielfältig. Bei einem Evolutionsprozeß
könnten (ohne daß der Experimentator dies weiß) Wechselwirkungen
eine Rolle spielen, welche die Wissenschaft bereits kennt. Es könnten
aber auch Konstellationen bekannter Wechselwirkungen sein, welche die Wissenschaft
noch nicht kennt. Oder es könnten gar gänzlich unbekannte Arten
von Wechselwirkungen sein, welche eine Rolle spielen, unabhängig davon,
ob es uns theoretisch ins Konzept paßt. Es besteht zumindest eine
begründete Vermutung, daß in vielen Fällen Evolutionsfähigkeit
vorliegt, und man sollte dies auf jeden Fall in vielfältiger Weise
durch Ausprobieren erforschen.
Wir
sollten uns also vorhandene Systeme vornehmen ( z.B. eine Solarzelle) und
sollten versuchen, durch Künstliche Evolution deren Funktionsweise
zu verbessern. Dazu brauchen wir eigentlich "nur” für eine Eigenschaft
EIG ein erwünschtes Ziel festzulegen (z.B. die Ausgangsspannung bei
der Solarzelle erhöhen) und einen LEHRER (z.B. elektrische Schaltung)
mit seinen Meßgeräten und seiner zerstörenden Energiezufuhr
EZ. Falls das nicht hilft, könnten wir noch mit Hilfe obiger Ausprobier-Mischmethode
die stoffliche Zusammensetzung des Systems mehr oder weniger zielgerichtet
variieren. Wie gesagt, es handelt sich hier um die Ausprobiermethode.
3.8 Die Steuerung der künstlichen Evolution: Der Lehrer, die Energiezufuhr und die Meßgeräte
Wie bereits
gesagt, der LEHRER "beobachtet” mit seinen Meßinstrumenten die schwankende
Eigenschaft EIG. Je näher EIG der erwünschten Ausprägung
von EIG ist, desto kleiner stellt der LEHRER die zerstörende Energiezufuhr
EZ ein und je weiter weg EIG von erwünschten Wert ist, desto größer
wird EZ. Wenn sich nach einer festgelegten Zeit die Eigenschaft EIG statistisch
gesehen häufiger in der Nähe seiner erwünschten Ausprägung
befindet, dann wäre eine Evolutionsfähigkeit vorhanden.
Es
gibt also eine mittlere Energiezufuhr EZMittel. Der LEHRER verändert
die Energie EZ innerhalb eines Bereiches EZMittel - EZDelta < EZ <
EZMittel + EZDelta. Es ist leicht einzusehen, daß der künstliche
Evolutionsprozeß nur bei bestimmten Werten für EZMittel und
EZDelta funktioniert, denn bei zu hohem EZ wird jede Entwicklung gleich
wieder zerstört und bei zu niedrigem EZ verändert sich nichts.
Es wäre also naheliegend zumindest in der Experimentierphase den LEHRER
mit einer "intelligenteren” Steuerlogik auszustatten. Der LEHRER könnte
dann also selbständig EZMittel und EZDelta verändern, um optimale
Werte herauszufinden.
Weiterhin
könnte es sein, daß sich die optimalen Werte für EZMittel
und EZDelta während des Evolutionsvorganges ändern. Vielleicht
könnte es zu Beginn notwendig sein, daß der LEHRER recht großzügig
reagieren muß (großes EZDelta) um überhaupt Änderungen
zu erzielen. Am Ende wäre dann ein kleinere EZDelta ausreichend. Ein
kontinuierliches Fortschreiten der Evolution wäre denkbar, vielleicht
gibt es aber in manchen Fällen auch Sprünge in der Entwicklung,
so daß der LEHRER seine Steuerlogik plötzlich ändern muß.
Es wäre außerdem möglich, daß nach einer gewissen
Zeit das Evolutionsziel (ein bestimmter Wert von EIG) erreicht ist. Der
Lehrer könnte dann ein neues, etwas höheres Ziel festlegen und
der Evolutionsvorgang begänne dann von vorn nur auf höherem Niveau.
Es könnte also sein, daß man die Steuerlogik des LEHRERS anpassungsfähig
gestalten muß.
Im einfachsten
Fall würde diese Steuerlogik eine einfache mathematische Funktion
realisieren:
EZ pro Zeit = f(EIGErwünscht - EIG)
z.B.
EZ
pro Zeit = k1/ (EIGErwünscht - EIG + k2) + k3
oder
EZ
pro Zeit = k1 * exp (EIGErwünscht - EIG) + k2.
Sicherlich
ließen sich optimale Funktionen theoretisch begründen. Aber
wie gesagt, bei Bedarf könnte es sich auch um einen komplizierten
Algorithmus handeln. Nebenbei sei bemerkt, daß man hier auch Parallelen
zum menschlichen Entwicklungsprozeß entdecken könnte. Anfangs
muß jeder kleine Fortschritt großzügig belohnt werden.
Wenn dann eine Entwicklungsphase abgeschlossen ist, können neue Aufgaben
auf höherem Niveau gestellt werden, deren Lösung wiederum anfangs
großzügig belohnt werden usw.
Ein
weiterer wichtiger Parameter der Steuerung des künstlichen Evolutionsprozesses
ist die Reaktionszeit. Die Reaktionszeit setzt sich aus drei Phasen zusammen:
1. Die Messung
des augenblicklichen Wertes der schwankenden Eigenschaft EIG
2. Die Reaktion
des Lehrers des LEHRERS darauf (Die Berechnung der notwendigen Energiezufuhr
EZ)
3. Die Realisierung
der Energiezufuhr EZ
Die Computersimulation
hat gezeigt, daß die Reaktionszeit nicht zu groß sein darf.
Das ist auch leicht einzusehen, denn EZ soll ja die AUGENBLICKLICHEN inneren
Systemursachen eines bestimmten AUGENBLICKLICHEN Wertes von EIG entweder
fördern oder behindern. Wenn die Reaktionszeit zu lang wäre,
könnte es passieren, daß in einem solchen Augenblick ein großes
zerstörendes EZ zugeführt wird, in welchem eigentlich eine Förderung
(kleines EZ) notwendig gewesen wäre, weil sich EIG gerade dem erwünschten
Wert nähert. Vermutlich muß die Reaktionszeit kleiner als die
mittlere halbe Periodendauer der Schwankung von EIG sein ( = mittlerer
Zeitabstand zweier aufeinanderfolgender Nulldurchgänge der Schwankung).
Im Zweifelsfall ist immer eine möglichst kurze Reaktionszeit vorzuziehen.
Notfalls könnte man auch die größtmögliche Reaktionszeit
mittels Experimente ausprobieren. Nun kann es Systeme geben, welche sehr
langsam schwanken, so daß die notwendige Reaktionszeit im Sekundenbereich
liegt. Die Rolle des LEHRERS könnte dann der Mensch höchstpersönlich
übernehmen, in dem er den Evolutionsprozeß "mit der Hand” steuert.
Schnellere Systeme, welche Millionen Mal pro Sekunde schwanken, bekommt
man vielleicht mit einer elektrischen Schaltung als LEHRER in den Griff.
Andererseits gibt es Systeme, welche so schnell fluktuieren, daß
ein sich außerhalb des Systems befindlicher LEHRER mit Überlichtgeschwindigkeit
reagieren müßte. Dieses Problem könnte man lösen,
indem man versucht, den LEHRER im System selbst zu integrieren. Dazu gleich
mehr.
EIG
kann sich auch aus mehreren Eigenschaften e1,e2,e3 ... zusammensetzen.
Dabei muß es sich nicht unbedingt um verschiedene Eigenschaftsarten
handeln, sondern die e könnten alle von gleicher Art sein, welche
aber an verschieden Orten gemessen wurden. Das würde man dann als
Eigenschaftsverteilung bezeichnen. Die zusammengesetzte EIG könnte
man als Einzelwert auffassen, welcher sich aus den einzelnen e berechnen
läßt: EIG = f(e1,e2,e3...), oder man könnte EIG als mehrdimensionale
Größe auffassen. Bei mehrdimensionalen Eigenschaften müßte
man den Abstand zur erwünschten EIGErw definieren, z.B. als euklidischen
Abstand sqrt ( sqr(e1-e1Erw) + sqr(e2-e2Erw) + sqr(e3-e3Erw) + ...), um
daraus die im jeweiligen Augenblick notwendige Energiezufuhr zu berechnen.
Die Eigenschaft könnte also theoretisch sehr komplex sein, z.B. könnte
sie auch komplizierte Muster bei der Informationsverarbeitung widerspiegeln.
Es
könnte passieren, daß man zwar das Evolutionsziel erreicht,
daß sich aber während des Evolutionsprozesses gleichzeitig und
unbeabsichtigt eine unerwünschte oder schädliche Eigenschaft
neu verstärkt hat. Man könnte jetzt Ursachenforschung betreiben
und Veränderung am System vornehmen. Man könnte aber auch vorher
einen erneuten Evolutionsversuch starten. Allerdings wird diesmal die Eigenschaft
eu zu EIG hinzugezählt - allerdings in negativer Weise, z.B. als Kehrwert.
Wenn beispielsweise eine großes eu unerwünscht ist, würde
die neue EIG definiert werden z.B. als (e1,e2,e3,1/eu ... ) .
Da
dem System ständig Energie zugeführt wird, muß auch gewährleistet
sein, daß diese auch wieder in Form von niederwertiger Energie (Wärme)
abgeführt wird, sonst würde sich das System aufheizen und Entwicklungsfortschritte
zunichte machen. Sicher würde die natürliche Energieabstrahlung,
welche man durch Formgebung (siehe oben) noch unterstützen kann, meist
ausreichend sein. In manchen Fällen wird vielleicht auch eine Kühlung
erforderlich sein.
Wenn
das Evolutionsziel dann erreicht ist, könnte es sein, daß diese
neue Ausprägung von EIG bestehen bleibt, auch nachdem der LEHRER seine
Arbeit eingestellt hat. In vielen Fällen wird es aber so sein, daß
der Evolutionsprozeß ständig aufrechterhalten werden muß,
solange man möchte, daß EIG seine erwünschte Ausprägung
beibehält. Vielleicht sollte man in manchen Fällen den Evolutionsprozeß
während eines Abkühlvorgangs ablaufen lassen, um zu erreichen,
daß des Ergebnis am Ende auch ohne Lehrer stabil bleibt.
Falls
in der Experimentierphase der Evolutionsprozeß erfolgreich verlief,
sollte man Gegenexperimente anstellen. Mit dem gleichen Versuchsaufbau
wird jetzt das Experiment wiederholt - allerdings mit umgekehrter Steuerlogik
des LEHRERs: Je näher EIG der erwünschten Ausprägung von
EIG ist, desto GROESSER stellt der LEHRER die zerstörende Energiezufuhr
EZ ein und je weiter weg EIG von erwünschten Wert ist, desto KLEINER
wird EZ. Sollte dieses Gegenexperiment ebenfalls erfolgreich sein, so handelt
es sich nicht um einen künstlichen Evolutionsprozeß, da man
ja eigentlich die erwünschte Ausprägung von EIG behinderte. Daß
es trotzdem funktionierte, hat andere Ursachen. Vielleicht ist dann eine
reine Energiezufuhr ohne Steuerung durch einen LEHRER hinreichend.
GLEICHMÄSSIGE ODER DIFFERENZIERTE ENERGIEZUFUHR? EIN ODER MEHRERE LEHRER?
Die zerstörende
Energiezufuhr EZ hat bekanntlich die Funktion, die Ursachen für die
augenblickliche Ausprägung von EIG entweder zu fördern oder zu
behindern. Folglich muß man die Energie EZ so zuführen, daß
sie alle Volumenbereiche erfaßt, in welchen sich die Ursache für
die Ausprägung der Eigenschaft EIG befindet. Nun ist es so, daß
bei Netzwerksystemen eine bestimmte Zelle mit all seinen Nachbarzellen
miteinander verbunden ist. Folglich ist indirekt jede Zelle über eine
Kette von Nachbarzellen mit jeder anderen Zelle des Systems verbunden.
D.h. die Ursachen für die Ausprägung von EIG werden wohl im gesamten
System zu suchen sein, nicht bloß an einer bestimmten Stelle. Daraus
folgt, daß es zumindest erst einmal nicht verkehrt ist, wenn die
Energiezufuhr EZ GLEICHMÄSSIG das gesamte System durchdringt. Worüber
man nachdenken sollte, ist die Frage, ob dies immer optimal ist. Denn Kopplung
ist nicht gleich Kopplung. Weit entfernte Zellen können je nach den
Gesetzmäßigkeiten, welche im System herrschen, stärker
oder schwächer miteinander gekoppelt sein.
Betrachten
wir noch einmal unser Spinmodell. Auf der linken Seite sollten möglichst
viele Spins nach oben (=1) und auf der rechten Seite möglichst viele
Spins unten (=0) weisen. Je höher die Temperatur eines Ferromagneten,
desto kleiner ist die Kopplung der Spins untereinander, so daß man
einmal versuchen könnte, auf dieses System zwei LEHRER anzusetzen:
einen für die linke und einen für die rechte Seite. Jeder dieser
LEHRER wäre also für ein bestimmtes räumliches Gebiet zuständig,
hätte seine eigenen Meßgeräte und könnte selbständig
die Energiezufuhr EZ in seinem Zuständigkeitsbereich steuern. Die
beiden LEHRER würden auch unterschiedliche Ziele verfolgen: Der linke
will seine Spins nach oben ausrichten und der rechte nach unten.
Je
nach Aufgabenstellung, Grad der Kopplung der Zellen und der räumlichen
Verteilung der Ursachen von EIG wäre es sogar möglich, sehr viele
LEHRER an einem einzigem System anzusetzen. Alle LEHRER könnten entweder
unabhängig voneinander arbeiten oder miteinander gekoppelt werden
oder von einem übergeordneten LEHRER "beaufsichtigt” werden. Die LEHRER
könnten unterschiedliche oder gemeinsame Ziele besitzen, unterschiedliche
oder die gleichen Meßinstrumente benutzen usw.
INNERE LEHRER
Um die Reaktionszeit
klein zu halten, aber auch aus praktischen Gründen, könnte man
bei bestimmten Anwendungen versuchen, den LEHRER in das System zu integrieren.
Mit anderen Worten: In Mischsystemen könnte man Partikel hinzumischen,
welche jetzt die Funktion des Lehrers übernehmen. Diese LEHRER-Partikel
haben also die Aufgabe, die zerstörende Energiezufuhr EZ bei Annäherung
an die erwünschte Ausprägung von EIG zu verkleinern. Bei Benutzung
eines äußeren LEHRERS sah die Rückkopplungskette beispielsweise
folgendermaßen aus: a --> b --> c --> d --> e --> f --> a, f -->
EIG, EZ --> c . Die Stärke der Energiezufuhr EZ wurde durch eine äußere
technische Konstruktion eingestellt, je nach Ausprägung von EIG. Jetzt
wollen wir den äußeren LEHRER weglassen und als INNEREN LEHRER
eine Partikelart l hinzumischen. Der Kreislauf würde jetzt so aussehen:
a --> b -->
c --> d --> e --> f --> a, f --> EIG, f --> l, EZ --> l --> c
· Früher
wirkte EZ direkt auf c ein. Jetzt wurde der Partikel l dazwischengeschaltet.
l muß in der Lage sein, die zerstörende Energie EZ in eine andere
Energieform umzuwandeln, welche keinen Einfluß auf c hat.
· l
vollführt diese Umwandlung in die "unschädliche” Energieform
um so besser, je näher f seiner erwünschten Ausprägung ist.
(f bestimmt ja die Ausprägung von EIG).
Früher
steuerte der ÄUSSERE LEHRER die Energiezufuhr EZ. Jetzt wird EZ dem
System auf konstante Weise zugeführt und der INNERE LEHRER übernimmt
diese Aufgabe, indem er EZ je nach augenblicklichen Zustand von f in "unschädliche”
Energieformen umwandelt. Es ist sicher keine leichte Aufgabe, solch ein
l zu finden. l könnte auch aus mehreren Partikeln bestehen. Notfalls
könnte man ein Molekül konstruieren, welches diese Anforderungen
erfüllt.
Übrigens
könnte man dem System auch "unschädliche” Energie von außen
zuführen. Aufgabe des INNEREN LEHRERS wäre es jetzt diese Energie,
je nach augenblicklichen Zustand von f, in eine zerstörende Energieform
umzuwandeln.
Genaugenommen
würde jeder einzelne LEHRER-Partikel einen LEHRER darstellen. Im System
gibt es also viele selbständig handelnde INNERE LEHRER. Mehrere LEHRER
führen aber nur bei bestimmten Voraussetzungen zum Ziel (s. vorherigen
Abschnitt). Weiterhin wären wieder die verschiedensten Variationen
von INNEREN LEHRERN möglich. Beispielsweise könnte ein einzelner
LEHRER-Partikel gleich für mehrere Zellen zuständig sein. Oder
vielleicht könnten sämtliche LEHRER-Partikel untereinander in
Wechselwirkung stehen und ihr Verhalten synchronisieren, so daß man
tatsächlich einen einzigen INNEREN LEHRER hätte. Weiterhin könnte
man, um innerhalb eines Systems ein erwünschtes Ungleichgewicht zu
erzeugen, versuchen. in verschiedenen Gebieten des Systems unterschiedliche
Arten von LEHRER-Partikeln einzusetzen.
4 Anwendungen der Künstlichen Evolution
4.1 Eine hypothetische Anwendung: Die Erhöhung des Wirkungsgrades einer Solarzelle
Wie könnte man mit Hilfe der Methode der Künstlichen Evolution den Wirkungsgrad von Solarzellen erhöhen? Anhand dieses Problems soll wieder einmal nur die Denk - und Vorgehensweise veranschaulicht werden. Es soll KEINESFALLS behauptet werden, daß dies auf jeden Fall so funktioniert. Wir versetzen uns lediglich einmal kurz in die Lage eines Konstrukteurs von Solarzellen und sehen uns an, welche Überlegungen dieser anstellen müßte.
Die Eigenschaft, welche verändert werden soll, muß schwanken. Diese Bedingung ist bei einer Solarzelle tatsächlich erfüllt. Die Ausgangsspannung einer Solarzelle rauscht. Man könnte jetzt die verschiedenen Methoden, welche wir hergeleitet haben, versuchen anzuwenden.
1. Methode:
AUSPROBIEREN. An der Solarzelle werden keine baulichen Veränderungen
vorgenommen. Es werden lediglich verschiedene Steuerlogiken und - Parameter
des LEHRERS und verschiedene Formen der Energiezufuhr ausprobiert. Der
Lehrer (z.B. in Form eines elektrischen Schaltkreises) mißt ständig
den Augenblickswert der Ausgangsspannung der Solarzelle und stellt dementsprechend
die augenblickliche Energiezufuhr zur Solarzelle ein (Je höher die
Ausgangsspannung, desto kleiner die Energiezufuhr). Man sollte mit verschiedenen
Formen dieser Energiezufuhr experimentieren: Elektromagnetische Wechselfelder
oder Bestrahlungen, welche die gesamte Oberfläche erfassen oder kurze
Wechselstromimpulse, welche in kurzen Zeitabständen an den Polen der
Ausgangsspannung angelegt werden. Es wird hier nicht mehr erörtert,
warum die Methode des Ausprobierens eventuell Erfolg haben könnte.
Dieses Thema wurde weiter oben behandelt.
2. Methode:
AUSPROBIEREN. Es werden ebenfalls wieder verschiedene Steuerprogramme des
LEHRERS und Energiezufuhrarten ausprobiert genau wie bei Methode 1. Aber
zusätzlich wird mit stofflichen Veränderungen an der Solarzelle
selbst experimentiert. Zum Einsatz könnte eine Art Mischmaschine (siehe
oben) kommen.
3. Methode:
ÜBERLEGUNG eventuell in Kombination mit den Methoden 1 und 2. Angenommen,
man weiß bereits, daß die Eigenschaft EIG der Ladungstrennung
von der Bedingung B und von den Zuständen der Zelle a abhängen:
B --> EIG, a --> EIG. Man muß jetzt überlegen, welche anderen
Bedingungen und Zustände von Zellen, welche man noch realisieren bzw.
hinzumischen muß, sich auf B bzw. die Zustände von a in IRGENDEINER
ART auswirken könnten. Man erhält dann Wirkungsketten, z.B. B1
--> B2 --> B --> EIG, d --> f --> g --> a --> EIG und andere. Hierbei kann
eine Zelle, z.B. die Zelle d, verschiedene Zustände annehmen. Je nach
dem Zustand von d wird dabei EIG entweder in erwünschter oder in unerwünschter
Weise beeinflußt. Man muß also versuchen einen günstigen
Zustand von d irgendwie konstant zuhalten (d.h. ERHALTUNGSSTREBEN). Jetzt
muß man also darüber nachdenken, ob man bei der Zelle d oder
an anderen Stellen dieser Wirkungsketten zur Realisierung des ERHALTUNGSSTREBENS
Rückkopplungsketten anbringen kann oder ob man diese Ketten zu Rückkopplungsketten
umformen kann, z.B. würde sich die Rückkopplungskette f --> i
--> k --> m --> f an die Zelle f in obiger Kette d --> f --> g --> a -->
EIG anschließen lassen. Die entsprechenden Zellen i,k,m müßten
noch hinzugemischt werden. Weiterhin müßte man über die
Energie EW zur Aufrechterhaltung der Rückkopplung in dieser Rückkopplungskette
und über die Zufuhr der zerstörenden Energie EZ nachdenken. Eventuell
müßte man Zellen hinzumischen, welche bestimmte Energieformen
absorbieren können. Es wäre außerdem schön, wenn die
Energie EW aus Sonnenenergie umwandeln ließe. Zuletzt sollte man
sich noch Gedanken darüber machen, ob man nicht eine zusätzliche
Wirkungskette installieren könnte, welche als INNERER LEHRER dient.
Wenn dieser dann noch seine zerstörende Energie EZ aus Sonnenenergie
umwandeln kann, wäre unsere Konstruktion perfekt. Vielleicht ließe
sich auch erreichen, daß die künstliche Evolution nur während
des Herstellungsprozesses durchgeführt werden muß, ansonsten
müßte sie ständig aufrechterhalten werden.
4.2 Allgemeine Betrachtungen über mögliche Anwendungsziele
Die Anwendungsmöglichkeiten
könnte man hinsichtlich des Komplexitätsgrades des Evolutionszieles
unterscheiden.
· Anwendungen
sind denkbar, bei welchen es lediglich um die Verschiebung von Gleichgewichten
oder um Änderungen von Verteilungen von Eigenschaften oder ähnlichen
Dingen geht, ähnlich wie bei unserem Ferromagneten. Obwohl der Komplexitätsgrad
gering ist, könnte dies beispielsweise bei Energieumwandlungen ausgenutzt
werden (z.B. Änderung der Ladungsverteilung). Ehe man sich an höhere
Komplexitätsgrade heranwagt, sollte man diese einfachen Ziele erforschen.
· Anwendungen
mit etwas höherem Komplexitätsgrad, z.B.: Das System soll jedesmal,
wenn eine bestimmte äußere physikalische Bedingung eintritt,
eine bestimmte Reaktion in Form einer bestimmten Eigenschaftsveränderung
durchführen. Oder man könnte sich die Erzeugung von zyklische
oder zeitlich veränderlichen Eigenschaften als Ziel setzen usw.
· Hoher
Komplexitätsgrad, z.B. Informationsverarbeitung
Es sind Anwendungen denkbar, welche tatsächlich in der Praxis eingesetzt werden könnten aber auch solche, welche lediglich der Grundlagenforschung dienen. In der Kernforschung freut man sich heutzutage über jedes einzelne Atom, auch wenn es nur eine millionstel Sekunde existiert, weil es eben etwas nachweist. Genauso könnte es jetzt sein, daß sich ein Grundlagenforscher über die Verschiebung eines Gleichgewichts um ein millionstel Prozent in eine bisher nicht realisierte Richtung freut, welches er mittels künstlicher Evolution erreicht hat. Praktisch könnte er das erst einmal nicht anwenden, aber es weist nach, daß die prinzipielle Möglichkeit besteht und daß er vielleicht auch mit herkömmlichen Methoden weiter forschen sollte, um den Effekt zu vergrößern.
Die Anwendungsgebiete
können sehr vielfältig sein. Man könnte versuchen, physikalische,
technische, chemische Eigenschaften EIG seinen Wünschen entsprechend
zu ändern. Selbst in der Medizin sind Anwendungen denkbar, weil der
menschliche Organismus ein ideales Netzwerksystem darstellt.
Wie
eigene Nachforschungen ergaben, haben die Spezialisten aller Fachrichtungen
Zuständigkeitsprobleme. Sie behaupten in der Regel, daß sie
für diese Theorie nicht zuständig seien, man sollte dies den
Chaosforschern überlassen. Diese Haltung mag vielleicht auch eine
Ursache dafür sein, weshalb die künstliche Evolution bisher noch
nicht im obigen Sinne angewendet wird. Diese Spezialisten aller Fachrichtungen
sollten aber erkennen, daß die künstliche Evolution lediglich
eine neue Methode bzw. ein neues Werkzeug ist, welches ihnen helfen könnte,
ihre speziellen fachlichen Ziele besser zu erreichen.
4.3 Unerwartete neue Anwendungen durch Künstliche Evolution?
Nehmen wir wieder ein rein fiktives Beispiel, welches auch stellvertretend für andere unmöglich (?) zu realisierende Dinge steht. Sicher wird man es niemals verwirklichen können, aber irgendein Beispiel müssen wir uns jetzt vornehmen. Wer will, kann sich ja etwas anderes darunter vorstellen. Die vollständige oder teilweise Überwindung der Erdanziehungskraft ist bekanntlich von großer praktischer Bedeutung. Aber leider erfordert die Flugfähigkeit einer Rakete oder eines Flugzeuges einen hohen technischen Aufwand. Vielleicht gibt es noch andere Möglichkeiten, außer Aerodynamik und Raketenantrieb, die Erdanziehungskraft zu überwinden? Die Gravitationswirkung eines Gegenstandes soll also teilweise oder vollständig aufgehoben werden, wenn nicht sogar umgekehrt werden. Wir wollen jetzt sozusagen die Antigravitation erfinden. Das ist sicher Science - Fiction, aber wir brauchten ja irgendein Beispiel. Ganz abwegig wäre die Durchführung eines Nachweisexperiments nicht. Es gibt Hypothesen, wonach die Gravitation zweier Körper nicht nur von der Masse abhängt. Vielleicht hängt sie auch von irgendwelchen Bedingungen innerhalb eines Körpers ab? Vielleicht könnte man mit Hilfe der künstlichen Evolution das Bedingungsgefüge so ändern, daß sich die Gravitationskraft ändert?
Das Experiment
könnte folgendermaßen ablaufen:
Gegeben sei
ein Festkörper, dessen Gewicht, d.h. dessen Anziehung gegenüber
der Erde, verringert werden soll. Wir brauchen also zur Bestimmung des
Gewichts ein reaktionsschnelles und hochempfindliches Meßinstrument.
Vielleicht sollte man in der Experimentierphase dasselbe Instrumentarium
verwenden, welches auch zum Nachweis von Gravitationswellen benutzt wird.
Piezoelektrische Kristalle könnten eventuelle Gewichtsveränderungen
schnell elektrisch nachweisbar machen. Der LEHRER müßte realisieren,
daß in solchen Augenblicken, in welchen sich das Gewicht des Festkörpers
erhöht, die Energiezufuhr zum Festkörper vergrößert
wird. Andernfalls wird die Energiezufuhr verkleinert. Voraussetzung ist
natürlich, daß man die Schwankung des Gewichts auch mit Hilfe
der Meßinstrumente nachweisen kann. Hier wird also die Ausprobiermethode
angewendet. Man sollte also das Experiment unter den verschiedensten Bedingungen
und mit den verschiedensten Arten von Festkörpern durchführen.
Selbst wenn
der Effekt so klein wäre, daß eine praktische Anwendung nicht
in frage käme, so wüßte man jetzt, daß man auf diesem
Gebiet weiter forschen und die Ursachen herausfinden sollte. Das soll es
erst einmal gewesen sein, zum Thema Antigravitation.
Weshalb man
mit der Ausprobiermethode unter Umständen Erfolg haben könnte,
wurde weiter oben bereits begründet (siehe "Künstliche Evolution
durch Ausprobieren”). Es könnten nämlich in der Vielfalt des
Mikrokosmos irgendwelche Rückkopplungsketten a -->b --> c --> ...
--> a existieren, welche die Wissenschaft qualitativ oder in einer bestimmten
Kombination noch nicht kennt, und welche bei einer künstlichen Evolution
eine Rolle spielen könnten.
Diese Ketten
könnten auch quantenmechanische Kopplungen enthalten. Die Geschichte
der Wissenschaft zeigt, daß es immer wieder neue Entdeckungen gab,
obwohl man glaubte, auf einem bestimmten Gebiet schon alles gefunden zu
haben. Es ist anzunehmen, daß auch unserer Wissen über mikrophysikalische
Wechselwirkungen erst am Anfang steht. Aber trotzdem könnten bei künstlichen
Evolutionsprozessen diese unbekannten Wechselwirkungen eine Rolle spielen,
unabhängig davon, ob wir es wissen oder beabsichtigt haben. Aus der
Vielfalt des Mikrokosmos könnten sich auf diese Weise ungeahnte neue
Anwendungsmöglichkeiten ergeben.
Vielleicht
könnte man auch die Schwankungen und Unschärfen im Bereich der
Quantenphysik gewissermaßen als Ausprobieren der Natur interpretieren,
welches man durch einen Evolutionsprozeß zumindest teilweise in erwünschte
Bahnen lenken kann?
Man hat nachgewiesen,
daß wenn eine der drei fundamentalen Naturkonstanten - und zwar Lichtgeschwindigkeit,
Gravitationskonstante und Plancksches Wirkungsquantum - nur einen geringfügig
anderen Wert besitzen würden, würde unser Universum zusammenbrechen.
Nun wird es wohl kaum dem Zufall zuzuschreiben sein, daß diese Konstanten
genau die günstigen Werte aufweisen. Es wird sicher eher daran liegen,
daß unser Universum einschließlich seiner Gesetze und Naturkonstanten
selbst eine Entwicklung durchmachte und sich im Laufe der Zeit ein stabiles
Gleichgewicht der Naturkonstanten herausbildete. Diese Dinge entziehen
sich noch weitestgehend dem Verständnis der Wissenschaft. Woher soll
man wissen, daß dieses Gleichgewicht nicht mit irgendwelchen Bedingungsgefügen
innerhalb des Mikrokosmos zusammenhängt? Dann wäre dieses Gleichgewicht
durchaus ein geeigneter Kandidat, um es versuchshalber einem lokalen künstlichen
Evolutionsprozeß auszusetzen. Mit der künstlichen Evolution
hätte man nämlich theoretisch die Möglichkeit, Gleichgewichte
zu verschieben, ohne daß man sich um die inneren Vorgänge zu
kümmern braucht und ohne daß man diese Vorgänge verstehen
muß. Man könnte allein durch gesteuerte äußere Energiezufuhr
versuchen, bestimmte Ziele zu erreichen. Nun soll hier nicht unbedingt
dafür plädiert werden, die Naturkonstanten lokal zu verändern.
Es sollte hier nur angedeutet werden, welche Möglichkeiten sich mit
der Methode der künstlichen Evolution anbahnen könnten.
4.4 Die Bedeutung von Nachweisexperimenten
Bisher wird
die Theorie der künstlichen Evolution (im obigen Sinne) hauptsächlich
durch theoretische Überlegungen, Analogiebetrachtungen zur natürlichen
Evolution und Computersimulationen gestützt. Das allgemeine Interesse
ist deshalb nach Erfahrung des Autors gering. Erst ein Nachweisexperiment
könnte bewirken, daß der Theorie der künstlichen Evolution
die notwendige Aufmerksamkeit entgegengebracht wird. Jeder Leser sei aufgefordert,
falls er die Mittel dazu besitzt, diese Nachweisexperimente durchzuführen.
Für
solch ein Experiment sollte man vielleicht einen Festkörper mit einer
stark und langsam schwankenden Eigenschaft EIG auswählen. Ein radioaktives
Material, welches in unregelmäßigen Abständen ein Teilchen
emittiert, wäre eventuell solch ein Kandidat. Ziel soll es sein, die
Emissionsrate zu erhöhen. D.h. in solchen Augenblicken, in welchen
ein Teilchen emittiert wird, verringert der LEHRER die Energiezufuhr für
eine kurze Zeitspanne. In Augenblicken, in welchen kein Teilchen emittiert
wird, wird die Energiezufuhr erhöht.
Vielleicht
sollte man auch zuerst einmal versuchen, bekannte Selbstorganisationsprozesse
durch von einem LEHRER gesteuerte Energiezufuhr in erwünschte Bahnen
zu lenken.
4.5 Weitere hypothetische Anwendungen
Jeder muß
auf seinem eigenen Fachgebiet überprüfen, welche Anwendungsmöglichkeiten
es geben könnte. Er muß dabei kein Experte für künstliche
Evolution sein. Er muß diese Theorie nur in den Grundzügen verstanden
haben. Die künstliche Evolution ist lediglich eine einfache Methode
oder ein Instrument, welches ein Spezialist auf einem Fachgebiet in genau
seinem Fachgebiet anwenden könnte. Es gibt heutzutage wahrscheinlich
niemanden, der für diese Theorie "zuständig” ist. Der Grund dafür,
warum diese Tatsache an dieser Stelle so betont wird, ist der, daß
bei eigenen Nachforschungen Spezialisten sämtlicher Fachrichtungen
immer wieder eingewendet hatten, daß sie für diese Theorie nicht
zuständig seien. Das ist natürlich falsch: Alle sind gleichermaßen
zuständig, da die Anwendungsmöglichkeiten sehr vielfältig
sind.
Bei
den einzelnen Beispielen wird im folgenden versucht, sich auf das Wesentliche
zu konzentrieren. D.h. es wird nicht jedes Mal ausführlich beschrieben,
daß ein künstlicher Evolutionsprozeß durch einen LEHRER
gesteuert wird, welcher eine schwankende Eigenschaft EIG des Systems beobachtet
und welcher, falls EIG in eine erwünschte Richtung schwankt, die Energiezufuhr
vermindert und andernfalls erhöht. Weiterhin wird nicht jedesmal erwähnt,
daß man die Wirkungsketten im System durch Hinzumischen verschiedener
Stoffe, unter Umständen mit der Ausprobiermethode, modifizieren könnte.
Diese Variationsmöglichkeiten eines Evolutionsprozesses, welche oben
bereits ausführlich beschrieben wurden, werden jetzt in der Regel
nicht mehr erwähnt. Der Leser kann diese selbst leicht auf das konkrete
Beispiel anwenden.
4.5.1 Energieumwandlungen
Man sollte
zunächst sämtliche Effekte, bei welchen Energieumwandlungen eine
Rolle spielen, daraufhin untersuchen, ob eine Beeinflussung des Wirkungsgrades
durch künstliche Evolution möglich ist.
Dabei könnte
es sich um Energieumwandlungen handeln, wie sie beispielsweise bei Solarzellen,
galvanischen Elementen, Thermoelementen, Piezoelektrizität, Kernumwandlungen,
Kernfusion, Emissionen und vielen anderen Prozessen auftreten. Der LEHRER
müßte also ständig direkt oder indirekt die augenblickliche
Leistung des Systems (= EIG) messen und würde mit der entsprechenden
Energiezufuhr reagieren.
Es
würde also durch den LEHRER ständig auch Energie "verbraucht”
werden. Natürlich wäre die Sache erst praxistauglich, wenn die
zusätzlich "gewonnene” Energie größer als die "verbrauchte”
ist.
Eigentlich finden innerhalb sämtlicher physikalischer Systeme ständig Energieumwandlungen statt, nicht nur in solchen, welche zur praktischen Nutzung vorgesehen sind. Diese Energieumwandlungen könnte man messen (= EIG) und damit eventuell durch eine künstliche Evolution beeinflussen. Die Energieumwandlungsketten zwischen den Molekülen eines Festkörpers beispielsweise könnten dabei wiederum bekannter oder auch unbekannter Art sein, so daß es durchaus möglich wäre, bisher noch nicht gekannte Möglichkeiten der Energieumwandlung aus äußeren oder inneren Energieformen zu entdecken oder auszunutzen.
Es bereitet
in der Praxis oft Schwierigkeiten, eine Energieform in eine bestimmte andere,
z.B. mechanische Energie, umzuwandeln. Vielleicht sollte man einige Experimente
zur direkten Umwandlung einer bestimmten Energieform in mechanische Energie
durchführen. Man benötigt dazu auf der einen Seite ein Material,
welches variable magnetische Eigenschaften aufweist (z.B. Ferromagnet,
Spinglas) und welches theoretisch in der Lage wäre durch Änderung
seiner magnetischen Eigenschaften beispielsweise etwas vibrieren zu lassen
oder einen Rotor in Bewegung zu setzen. Auf der anderen Seite bräuchte
man ein Material, welches die Ursprungsenergieform gut absorbiert und durch
irgendeine Wirkungskette die variablen magnetischen Eigenschaften des anderen
Materials beeinflussen könnte. Die beiden Materialien werden miteinander
vermischt oder lediglich aneinandergefügt. Auf diese Weise passiert
noch gar nichts. Durch einen künstlichen Evolutionsprozeß müßte
den Spins im magnetischen Material erst einmal ein erwünschtes geordnetes
Verhalten beigebracht werden. Der LEHRER würde also ständig den
Bewegungszustand des Rotors beobachten (= EIG) und auch bei kleinsten Mikrobewegungen
seiner Aufgabe entsprechend handeln.
Selbst
wenn es sich bei der Ursprungsenergieform um niederwertige Wärmeenergie
handelte, würden die Gesetze der Thermodynamik hier natürlich
nicht verletzt werden, da der Lehrer ja ständig gezwungen ist, seine
zerstörende Energie EZ zuzuführen.
Vielleicht
ließen sich auch spezielle Wärmepumpen entwickeln. Die Temperaturdifferenz
zwischen der einen Seite eines Festkörpers und der anderen Seite wäre
dabei die Eigenschaft EIG.
4.5.2 Physikalische Prozesse
Sämtliche physikalische Eigenschaften eines Festkörpers könnte man versuchshalber einem künstlichen Evolutionsprozeß aussetzen. An dieser Stelle soll deshalb nur stellvertretend ein einfaches Beispiel beschrieben werden, unabhängig davon ob man einen Effekt nachweisen kann. Gegeben sei ein Material (z.B. radioaktiv), welches Teilchen emittiert. Unser Wunsch soll es sein, die Emissionsrate zu erhöhen. Die Emissionsrate (= Anzahl Teilchen / Zeit ) ist also die Eigenschaft EIG. Wenn die Beobachtungszeit des LEHRERs bei jeder Messung klein genug gewählt wird, dann wird man feststellen, daß EIG stark schwankt, was der Realisierung eines künstlichen Evolutionsprozesses entgegenkommt.
4.5.3 Medizin
Der menschliche
Organismus ist ein komplexes Netzwerksystem mit zahlreichen Wirkungsketten.
Er könnte deshalb ein ideales Anwendungsgebiet für künstliche
Evolutionsprozesse darstellen. Sicherlich wird man es, wenn überhaupt,
nur bei bestimmten einsetzen Krankheitsarten können.
Voraussetzung
für eine medizinische Anwendung wäre, daß man die augenblickliche
Aktivität oder den Zustand einer Krankheit oder des Heilungsprozesses
messen könnte (= EIG), denn der LEHRER müßte je nach Ausprägung
von EIG die Energie zuführen. Der Autor ist kein Fachmann auf dem
Gebiet der Medizin, deshalb sollen hier nur wiederum nur fiktive Beispiele
angeführt werden. Nehmen wir als Beispiel eine örtlich begrenzte
Krankheit, z.B. ein Geschwür. Man müßte sich jetzt die
Frage stellen, welche meßbare Eigenschaft unterscheidet das kranke
vom gesunden Gewebe? Es gibt sicher viele Möglichkeiten. Nehmen wir
einmal an - unabhängig davon, ob es stimmt - es sei der elektrische
Widerstand. Dann hätten wir eine einfache, leicht zu messende Eigenschaft
EIG, wobei der LEHRER jetzt die Aufgabe hätte, mittels gesteuerter
Energiezufuhr, den elektrischen Widerstand auf das Niveau von gesundem
Gewebe zu bringen. Ob das überhaupt funktioniert und ob dadurch tatsächlich
eine Heilung erreicht werden kann, muß natürlich durch zahlreiche
Tests vorher erprobt werden. Falls man den elektrischen Widerstand nicht
als EIG verwenden kann, dann sollte man es vielleicht mit der Messung irgendwelcher
anderen elektrischen Signale versuchen, welche sich in irgendeiner Weise
(Häufigkeit, Stärke, Form...) von denen des gesunden Gewebes
unterscheiden. Notfalls könnte man auch eine Matrix von Meßpunkten
auf dem Gewebe anbringen und diese Werte in EIG einfließen lassen.
Wenn auch das nicht geht, sollte man es mit chemischen Sensoren versuchen
oder mit irgendwelchen aktiven Messungen, bei welchen man einen Meßwert
als Reaktion auf irgendeinen äußeren Reiz erhält. Die Messung
und Festlegung der Eigenschaft EIG ist also schon eine Theorie für
sich, welche auch der beste Experte für künstliche Evolution
nicht allein aufstellen kann. Die Hauptarbeit müssen also immer die
Spezialisten des jeweiligen Fachgebietes leisten.
Vielleicht
könnte man auf ähnliche Weise Wachstumsprozesse bei Verletzungen
oder Knochenbrüchen stimulieren.
Die
Energiezufuhr EZ des LEHRERs könnte z.B. mittels Bestrahlung, Schall,
Vibrationen, Bewegung oder Sinnesreizen erfolgen. Es besteht die Frage,
ob man das umliegende gesunde Gewebe gleichfalls der Energiezufuhr aussetzt
(oder sogar ausschließlich) und es damit in den Evolutionsprozeß
einbezieht. Man würde sozusagen dem gesunden Geweben "beibringen”
das kranke Gewebe zu heilen.
Vielleicht
sollte man hier auch die indirekte Methode in Erwägung ziehen (siehe
Abschnitt "Indirektheit”). Die Eigenschaft EIG wird dabei nach wie vor
am kranken Gewebe gemessen. Allerdings findet die künstliche Evolution
jetzt nicht mehr im Gewebe, sondern in einem evolutionsfähigem Material,
welches am Gewebe angebracht wird und welches mit dem Gewebe in Wechselwirkung
treten kann. Man bringt sozusagen dem Material bei, mittels seiner Wechselwirkung
des Gewebe zu heilen.
Normale Methode:
LEHRER --> Energiezufuhr --> Gewebe -->EIG --> LEHRER
Indirekte
Methode: LEHRER --> Energiezufuhr -->Evolut. fähiges Material -->
Gewebe -->EIG --> LEHRER
Die Beschaffenheit
des Materials müßte man natürlich durch Versuche an Gewebeproben
herausfinden.
Sicher
sind heutzutage bereits Geräte im Einsatz, welche gut in die Theorie
der künstlichen Evolution passen würden, ohne daß es dem
Anwender bewußt ist. Bei Feedbackgeräten beispielsweise wird
jeweils immer eine Eigenschaft EIG z.B. der Hautwiderstand oder elektrische
Signale gemessen, welche der LEHRER (das Feedbackgerät) umsetzt in
bestimmte Reize, welche dann beim Körper Stoffwechselveränderungen
und bestimmte Energieumwandlungen hervorrufen können.
Interessanter
Weise müßte es sich beim LEHRER nicht in jedem Fall um irgendein
technisches Gerät handeln. Man könnte versuchen, in manchen Fällen
die Energiezuführung entsprechend dem Krankheitssignal auch manuell
durchzuführen - oder gar ausschließlich willentlich steuern,
indem man sich auf den entsprechenden Körperteil konzentriert.
4.5.4 Chemische Gleichgewichte
Man könnte versuchen, das Gleichgewicht von chemischen Reaktionen zu verschieben. Die Eigenschaft EIG wäre dabei die Konzentration eines gewünschten Stoffes. Auch hier sollte man mit der indirekten Methode (siehe vorhergehenden Abschnitt "Medizin”) experimentieren, indem man in die Reaktion ein evolutionsfähiges (festes?) Material einbringt. Man bringt sozusagen diesem Material bei, die Reaktion zu katalysieren.
4.5.5 Informationsverarbeitung
Als Beispiel
soll hier die Mustererkennung dienen: Auf der Oberfläche eines geeigneten
evolutionsfähigen Festkörpers wird eine Matrix aus "Rezeptoren”
angebracht, welche die Lichtreize in geeignete physikalische Reizformen
(elektrische, magnetische o.a.) umwandelt, welche sich innerhalb des Festkörpers
in Form von Wirkungsketten entsprechend obiger Theorie ausbreiten können.
Dem Festkörper soll "beigebracht” werden, auf bestimmte Reizmuster
mit bestimmten Reaktionsmustern auf einer Meßfühlermatrix, welche
sich ebenfalls auf der Oberfläche des Festkörpers befindet, zu
reagieren. Als Eigenschaft EIG würde man hier ein Maß für
die Ähnlichkeit zwischen erwünschter Reaktion und tatsächlicher
Reaktion festlegen. Falls sich der Festkörper ein bestimmtes Muster
einschließlich der zugehörigen Reaktion "eingeprägt” hat,
wird auf die gleiche Weise mit dem "Erlernen” von anderen Mustern fortgefahren.
Später werden dann "Wiederholungsübungen” mit allen bereits erlernten
Mustern durchgeführt. Vielleicht sollt man den "Lernprozeß”
mit relativ einfachen Mustern und Reaktionsweisen beginnen und den Schwierigkeitsgrad
langsam steigern.
Es
wäre naheliegend, die Zusammensetzung des Festkörpers so zu gestalten,
daß eine neuronale Netzstruktur entsteht (siehe Abschnitt "Neuronale
Netze”). Weiterhin sollte man versuchen die Methode des "Geordnetes Mischens”
und die Möglichkeit der Kopierbarkeit der Struktur anzuwenden (siehe
Abschnitt "Mischen”). Einmal "erlernte Verhaltensweisen” könnten dann
auf andere Systeme kopiert werden, ohne daß diese einen neuen Evolutionsprozeß
durchmachen müssen.
Analog
zur Mustererkennung könnte man später zumindest den Versuch unternehmen,
dem Festkörper komplexere und zeitlich strukturierte Verhaltensweisen
bis hin zur künstlichen Intelligenz "beizubringen”.
4.5.6 Nachrichtenübertragung
Gegeben sei
eine beliebige Signalquelle, welche als Sender dienen soll. Es muß
sich hierbei nicht unbedingt um eine Signalquelle im herkömmlichen
Sinne handeln (Licht, elektromagn. Wellen). Im einfachsten Fall könnte
diese Aufgabe vielleicht auch ein Festkörper übernehmen, bei
welchem man nach Belieben eine bestimmte physikalische Eigenschaft ändern
kann. Das Signal wäre dann diese veränderbare physikalische Eigenschaft.
Einem
Empfänger, z.B. ein evolutionsfähiger Festkörper, wird "beigebracht”
auf die Signale des Senders seinerseits mit bestimmten meßbaren physikalischen
Eigenschaftsveränderungen, seien sie auch noch so klein, zu reagieren.
Der Empfänger wird also einem Evolutionsprozeß ausgesetzt. Die
Eigenschaft, welche als Empfängerreaktion dienen soll muß also
wie üblich anfangs zufällig schwanken. Als Eigenschaft EIG wird
dabei das Maß für die Ähnlichkeit der tatsächlichen
Reaktion des Empfängers mit der erwünschten Reaktion festgelegt.
Der LEHRER muß also während des Evolutionsprozesses auch den
Sender, welcher in dieser Phase permanent Zufallssignale aussenden soll,
im Auge behalten, um die Richtigkeit der Reaktion des Empfängers einschätzen
zu können und wie üblich in Augenblicken des "Fehlverhaltens”
die Energiezufuhr EZ zum Empfänger zu erhöhen.
Mag
sein, daß die Kopplung zwischen Empfänger und Sender - wenn
überhaupt - auf herkömmliche Weise zustande käme, z.B. über
elektromagnetische Wellen und daß man dieses Problem mit den bisher
üblichen Mitteln besser lösen kann. Es gibt aber durchaus hypothetische
Annahmen, daß es noch andere Übertragungsarten geben könnte.
4.5.7 Meßinstrumente und Nachweismittel
Das Prinzip
dieser Anwendung ist völlig analog der Nachrichtenübertragung
(siehe oben). Das Meßinstrument spielt hier die Rolle des Empfängers,
während die zu untersuchende Probe den Sender darstellt. Das Meßinstrument,
muß, bevor es eingesetzt wird, zuerst einmal einen Evolutionsprozeß
durchlaufen, bei dem ihm die Fähigkeit verliehen wird, auf bestimmte
Eigenschaften oder Strukturen spezifisch zu reagieren.
5 Anhang
5.1 Quelltext
uses crt;
const GitterGroesse
= 14; {Gerade Zahl!}
AnzahlGitterPunkte = GitterGroesse * GitterGroesse;
W = 0.7;
EIGErwuenscht = 25;
NatuerlicheEnergie = AnzahlGitterPunkte div 100;
var Gitter: array
[1..GitterGroesse, 1..GitterGroesse] of integer;
AnzahlEIG,EIGSum:longint;
{================== Hilfsprozeduren =================================}
procedure ZufallsGitterPunkt(var
x,y:integer);
(*-----------------------------------------*)
{Zufälliger
Punkt im Gitter}
begin
x:= random (GitterGroesse)+1;
y:= random (GitterGroesse)+1;
end;
function Zufall(W:real):boolean;
(*--------------------------*)
begin
if random < W
then Zufall := true else Zufall := false;
end;
procedure Init;
(*-----------*)
{Initialisierung.
Dem Spingitter werden zufällige Spin-Werte zugewiesen}
var x,y:integer;
begin
randomize;
clrscr;
for x :=1 to GitterGroesse
do
for y := 1
to GitterGroesse do
Gitter[x,y] := random(2);
AnzahlEIG := 0;
EIGSum := 0;
end;
procedure Grafik;
(*----------------*)
var x,y:integer;
begin
gotoxy(45,2); write(AnzahlEIG:7,(EIGSum/AnzahlEIG):10:0);
for x :=1 to GitterGroesse
do
for y := 1
to GitterGroesse do begin
gotoxy(x,y);
if Gitter[x,y] = 1 then write('X') else write(' ');
end;
end;
{================== Prozeduren der Simulation ==========================}
function EigenschaftMessen:
longint;
(*---------------------------------*)
{Der LEHRER mißt
EIG = AnzahlLinks - AnzahlRechts}
var AnzahlLinks,AnzahlRechts,x,y:longint;
begin
AnzahlLinks := 0;
{Anzahl links z"hlen}
for x :=1 to GitterGroesse
div 2 do
for y := 1
to GitterGroesse do begin
AnzahlLinks := AnzahlLinks +Gitter[x,y];
end;
AnzahlRechts :=
0;
{Anzahl rechts z"hlen}
for x := GitterGroesse
div 2 + 1 to GitterGroesse do
for y := 1
to GitterGroesse do begin
AnzahlRechts := AnzahlRechts +Gitter[x,y];
end;
EigenschaftMessen
:= AnzahlLinks - AnzahlRechts;
end;
function BewertungLehrer
(EIG:longint): longint;
(*-------------------------------------------*)
{Der LEHRER berechnet,
wieviel Energie in Abhängigkeit von EIG
zugeführt werden
muá}
var Energie:longint;
begin
Energie := EIGErwuenscht
- EIG;
BewertungLehrer
:= Energie;
AnzahlEIG := AnzahlEIG
+ 1;
EIGSum := EIGSum
+ EIG;
end;
procedure Energiezufuhr
(Energie:longint);
(*--------------------------------------*)
{Dem Spingitter
wird die Energie zugeführt}
var i:longint; x,y:integer;
begin
if Energie > 0 then
for i := 1 to Energie
do begin
ZufallsGitterPunkt(x,y);
if Gitter[x,y]
> 0 then Gitter[x,y] := 0 else Gitter[x,y] := 1;
end;
end;
procedure NatuerlicheEnergiezufuhr;
(*--------------------------------*)
{Durch die Umgebungstemperatur
klappen auch einige Spins um}
var i:longint; x,y:integer;
begin
if NatuerlicheEnergie
> 0 then
for i := 1 to NatuerlicheEnergie
do begin
ZufallsGitterPunkt(x,y);
if Gitter[x,y]
> 0 then Gitter[x,y] := 0 else Gitter[x,y] := 1;
end;
end;
procedure Wechselwirkungen;
(*-----------------------*)
{Für die einzelnen
Spins wird die Wechselwirkung mit seinen
Nachbarn realisiert:
Mit der Wahrscheinlichkeit W wird ein
Nachbarspin auf
den gleichen Wert gesetzt wie der Ausgangsspin}
procedure
WechselwirkungMitNachbarn(x,y:byte);
var dx,dy:integer;
begin
if Zufall(1/3)
then dx := 1 else if Zufall(1/2) then dx := -1 else dx := 0;
if Zufall(1/3)
then dy := 1 else if Zufall(1/2) then dy := -1 else dy := 0;
if (x+dx >0)
and (x+dx<=GitterGroesse) and
(y+dy >0) and (y+dy<=GitterGroesse) and
not((dx=0) and (dy=0)) then
if Zufall(W) then Gitter[x+dx,y+dy] := Gitter[x,y];
end;
var x,y:integer;
i:longint;
begin
for i := 1 to GitterGroesse
* GitterGroesse do begin
ZufallsGitterPunkt(x,y);
WechselwirkungMitNachbarn(x,y);
end;
end;
(* HauptProgramm
*)
(*---------------*)
var Energie,EIG:longint;
begin
Init;
repeat
EIG := EigenschaftMessen;
Energie :=
BewertungLehrer (EIG);
Energiezufuhr
(Energie);
NatuerlicheEnergiezufuhr;
Wechselwirkungen;
Grafik;
until keypressed;
end.
(Februar 1997, Autor: Carsten Zander , Carsten.Zander@t-online.de)